Florenz Marathon - 26.11.2006
Florenz und die Toskana haben eine nahezu magische Anziehungskraft auf Touristen aus
der ganzen Welt. Vor allem von Frühjahr bis in den späten Herbst bevölkern sie die
engen Gassen und die pittoresken Piazzas der mittelalterlichen Stadt, besichtigen die
Uffizien und die vielen anderen Museen mit all ihren Kunstwerken, den Dom, die Palazzos
sowie unzählige Kirchen. An handtuchbreite Gehwege reihen sich Restaurants, Cafes und
Eisdielen, Bars, Spezialitätenläden, in denen es Tartuffo (Trüffel) für 1000,- Euro/kg
und mehr gibt, und ...
... eine fantastische Stadt des Marathons. Kein Wunder also, dass auch der Florenz-Marathon
immer mehr Läuferinnen und Läufer in die Toskana-Metropole lockt. Mehr als 7000
waren bei der 23. Auflage am 26. November 2006 dabei - ein neuer Teilnehmerrekord
für das neben Rom bedeutendste Laufevent Italiens. Fast die Hälfte von ihnen kam aus
54 verschiedenen Ländern. Neben Amerikanern, Franzosen und Österreichern waren vor allem
viele Deutsche mit am Start, darunter natürlich auch "Vertreter der weltbekannten und
gefürchteten DJK Feudenheim" mit dem Autor dieses Berichtes, Andreas Kambouris,
Rolf Siegel, Lore und Gunther Mair sowie unserem Supporter Rolf Gärtner.
Doch erst mal gaaanz langsam der Reihe nach:
Fr, 24.11.06, 0:15 Uhr Abfahrt:
2 x Rolf holen mich mit der BMW-Limousine ab - ca. 900 km by night sind fällig. Rolf
Siegel übernimmt Deutschland, ich meistere die schöne Schweiz und Rolf Gärtner
(Rolf Siegel's Schulfreund) übernimmt "Bella Italia".
Den Sonnenaufgang erleben wir bei Modena, der Stadt des "Aceto Balsamico". Da wir
(ohne Stau!) sehr früh in Florenz sind, beschließen wir, den Tag sinnvoll zu nutzen und
durch das traumhafte Chianti Classico Gebiet, das Herz der Toskana, bis nach Siena
zu fahren. Auf halbem Weg stoppen wir in Greve zum Shopping (Käse, Olivenöl, Pici,
Wildschweinsalami (hmmmmm!). Auf der Weiterfahrt besichtigen wir noch das traumhaft
schöne Urlaubsdomizil von den beiden Rolfs in Catignano, bevor es nach Siena geht -
als Frühstückersatz gibt es auf dem Campo der Stadt Pasta, Pizza, und Vino.
Nachmittags fahren wir endlich nach Florenz zum "Check in" im 4-Sterne (hahaha!) -
Hotel "La Fenice-Palace" - 100 m vom Dom entfernt.
Die beiden Rolfs schlendern durch die Stadt als wären sie in Mannheim. Es muss
deren zweite Heimat sein … Schön wenn man 2 Top-Fremdenführer gratis zur Verfügung hat!
Sa, 25.11.
9:00 Uhr: Beim Frühstück treffen wir auf Lore und Gunther, die mit dem Flieger in
der Nacht angereist waren. Wir DJKler sind nun komplett und freuen uns auf das, was kommt.
Das Wichtigste ist natürlich, die Startunterlagen im Stadio di Athletico abzuholen. Wir
leisten uns ein Taxi.
Später erleben wir beim Bummeln eine schöne Überraschung: Trainer Siggi meldet sich
auf Rolf's Handy! Andreas meldet: "Pipi hell, Beine locker".
Am Abend gehen wir gemütlich essen, jedoch die Spannung steigt. Um 23 Uhr ist Bettruhe.
So, 26.11.
Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg Richtung Arno zu den Shuttle-Bussen,
die uns zum Startplatz Piazzale Michelangelo - mit tollem Blick auf Florenz -
bringen. Ein wunderschöner Sonnenaufgang begleitet uns. Die Nebelschwaden lichten
sich - es wird warm werden, zu warm, sogar schwül, bis 20 °C und darüber. Wir
genießen den Blick auf den Dom, das protzige Wahrzeichen der einstigen Weltstadt,
die mit Nachbarn - wie Venedig - für zwei Jahrhunderte die wirtschaftlichen Geschicke
Europas steuerte.
Start: 9:05 Uhr!
Bei den ersten Kilometern bergab werden eineinhalb Minuten geschenkt, dann geht es
in die ersten Schleifen des Kleeblattkurses. Die Marathonstrecke in einer Stadt
unterzubringen, deren historischen Kern der Tourist leicht in 15 Minuten durchmessen
kann, erfordert von den Organisatoren schon einige Phantasie.
Der historische Bodenbelag (Kopfsteinpflaster, wackelige, unebene Bodenplatten) macht
die Strecke sehr sehr anspruchsvoll. So richtig laufen lassen kann man es nur auf
wenigen Streckenteilen.
Wir laufen vorbei am Palazzo Pitti, der berühmten Ponte Vecchio und überqueren auf der
Ponte Niccolo den Arno. Unterwegs treffen wir auf eine Laufgruppe aus Hemsbach. Der
gesprächige Teamleader (76 Marathonläufe) und einer seiner Kameraden (216 Marathonläufe!)
laden uns zum 25. Vereinsjubiläum ein, bei dem am 7. Juli 2007 ein Marathonlauf im Wald
stattfinden wird, mit anschließendem Fest in der Vereinshütte. Außerdem treffen wir auf
einen "Lauf-Opa" (Horst Preisler) - bekannt aus TV und Presse - mit ca. 1400 Marathonläufen.
Das Publikum feuert die Läufer an: "Bravi, Bravi", "Vai, vai", "Forza". Richtige Stimmung
kommt jedoch erst im Zentrum am Piazza del Duomo auf.
Nach der Altstadt geht's in die Vororte und am Sportstadion vorbei. Die Blaskapelle
der Feuerwehr ist die einzige musikalische Untermalung auf der gesamten Strecke!
Auffällig ist eine Gruppe der US-Armee Typ "Kampfeinheit" mit Muskelpaketen, die
sich laut mit übermütigem Geschrei und nassen Baumwoll-Shirts Geltung verschafft.
Nach 28 km geht es zurück in die Altstadt zwischen Dom und Battistero hindurch,
vorbei an dem berühmten Bronze-Ostportal von Ghiberti. Hier am zentralen Platz der
Stadt springt die Stimmung so richtig über. Laufen ins Gegenlicht der tiefstehenden
Novembersonne. Marathon - ein Traum. Rolf und ich empfinden ein absolutes
Hochgefühl - das Beste, was wir bisher beim Laufen erlebten (war wohl das viel
beschriebene "Runners High"). Rolf läuft mir mit sehr hohem Tempo voraus, ich
ganz dicht mit Tunnelblick hinterher, auf Top-Niveau, Beine gut, Kopf sehr stark.
Durchhalten, denke ich - die Endzeit 4:15 vor Augen. Gunther ist uns weit voraus,
um ihn machen wir uns keine Sorgen. Lore sicherlich kurz hinter uns.
Vorletzte Schleife hinaus in den Park: Jetzt kommen die schweren Dreißiger. Wer hat
seine Kraft am besten dosiert? Rolf ist immer noch leichtfüßig, setzt sich nun
leicht von mir ab. Leider kann ich nicht mithalten, hoffe jedoch auf eine neues
Hoch, um wieder aufzuschließen. Das Hoch kommt nicht, also einfach bestmöglich weiterlaufen.
Nur nicht total einbrechen. Wieder hinein in die Altstadt, km 39, mehr schon ein Schleppen,
direkt zu auf die Marmorstatue des David vor dem Palazzo Vecchio: Er hat den Kampf gegen
Goliath schon hinter sich und kann sich einen versonnenen Siegerblick leisten! Ich habe
starke Schmerzen an den Fußsohlen, die sich bis zu den Knien hochziehen. Viele Läufer
liegen auf der Strecke, scheinbar mit ähnlichen Problemen.
Der längste Kilometer (km 42), eine Wendestrecke nochmals am Arno entlang. Ein Läufer
vor mir taumelt plötzlich, fällt fast über den Sperrzaun, stolpert voran.
Der Zieltorbogen fängt uns Läufer auf. Dort wartet Rolf auf mich. Ich kann nicht
sprechen, nur "sehr, sehr hart", nahe an den Tränen vor Schmerzen - nicht vor
Freude (oder doch beides?). Aluthermodecken werden verteilt. Jeder greift zu,
obwohl es doch warm ist. Schmerzende Füße und Beine, aber wir müssen noch zu Fuß
zurück ins Hotel. Dort dürfen wir duschen. Zeit zum Relaxen bleibt uns leider nicht,
Rolf & Rolf und ich müssen uns direkt mit dem Auto auf den Heimweg machen, für Lore
und Gunther geht es ab zum Flughafen.
Ein Manko: Es gibt keine Duschen für die Läufer am Ziel.
Unser Fazit: Florenz - der besondere Marathon
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Details:
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Gunther - 3:47 h
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Lore - 4:30 h
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Rolf 4:12 h
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Andreas 4:23 h
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Gesamtsieger Männer - 2:08 h (= Streckenrekord von Kutto, Kenia)
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Gesamtsieger Frauen - 2:34 h (1. und 2. Platz geht an Italien!)
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7.200 Teilnehmer gestartet, 6.200 gefinisht
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viele einheimische Läufer sind auf den vorderen Rängen platziert
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Andreas, Rolf, Gunther, Lore