„Die 3 muss fallen“ beim 30. Frankfurt Marathon 2011

Der Höhepunkt meiner diesjährigen Laufsaison, der 30. Frankfurt Marathon, ist auch gleichzeitig mein Saisonabschluss 2011.

Mit einem optimierten und von unserem Lauftrainer Siggi ausgearbeiteten Trainingsplan beginnt Anfang August die Vorbereitung auf den Frankfurt Marathon. Das Projekt „ Die 3 muss fallen“ startet.

Zuerst aber ist Urlaub auf der schönen Insel Rügen angesagt und neben ausgiebigen Radtouren, Strandfläzen und das Verspeisen von leckeren Fischplatten, habe ich nicht wirklich Lust auf das verordnete Lauftraining. Man kann sagen: Ich bin faul und komme letztendlich nur auf rund 40% der geplanten Laufkilometer in dieser Urlaubswoche. Der Marathon ist ja noch so weit weg.

Nach der Rückkehr geht es dann aber wirklich los und der erste lange Lauf zeigt mir unmissverständlich, wie faul ich wirklich gewesen bin. Oh je. Aber zum Glück ist der Marathon noch soooo weit weg.

Am 20. August steht der HM Kerwelauf in Hüttenfeld auf dem Programm. Es ist an diesem Wochenende sehr heiß und so ist der Lauf ein echter Härtetest und ich quäle mich durch den Hüttenfelder Forst. Ich absolviere diesen in, meines Erachtens, anständigen 1:33:04h.

Nach einer weiteren harten Trainingswoche steht der Volkslauf in Rheinau auf dem Plan und dort verbessere ich meine 10 km Bestzeit auf 38:18min. Aha, denke ich, das Training wirkt. Aha, sagt Siggi, da musst du aber noch kräftig zulegen. Ich will die 37 Minuten sehen. Sonst wird das nix. Da bin ich platt. Aber mein Ehrgeiz ist erwacht und mit Elan und Volldampf absolviere ich die nächsten Trainingswochen.

Der HM in Karlsruhe wird ein positives Erlebnis. Das nehme ich mir fest vor. Die DJK Feudenheim geht wie jedes Jahr mit den üblichen Verdächtigen an den Start.

Ich gehe das Rennen gut gelaunt und motiviert, aber nicht verkrampft an.

So erwische früh einen Trupp der sehr konstant in einem mir angenehmen Tempo läuft und die ersten 10 km sind schnell erreicht. Die Zeit auf meiner Uhr: 38:59min. Das ist ja super. Ich fühle mich sehr gut und werde daraufhin ein wenig schneller. Im letzten Jahr, erinnere ich mich, bei meinem ersten HM überhaupt, kam bei km 16 eine Schwächephase. Diesmal kommt km 16 logischerweise auch, aber ohne Schwächephase und ich kann das Tempo halten. Die letzten Kilometer gehen Ruck Zuck vorbei und im Ziel stehen 1:21:33h auf der Uhr. Wahnsinn! Ich bin total happy: die zweite Hälfte sogar noch schneller als die erste und insgesamt 7 Minuten schneller als im letzten Jahr.

Wann ist der Marathon? Nächste Woche? Das wäre klasse. Ich bin super drauf. Auch Siggi ist zufrieden.

Der Trainingsalltag geht weiter und der zweite Teil mit Tempoeinheiten beginnt. Diese arbeite ich ab und laufe streng nach den vorgegebenen Zeiten. Leider sind die langen Steigerungsläufe am Sonntag, wie schon im Frühjahr, mühsam und anstrengend und ich kann mich nur sehr schwer motivieren. Warum läuft keiner mit? Geteiltes Leid ist halbes Leid, denke ich des Öfteren.

Der letzte Test ist beim Gemüselauf in Maxdorf, an dem ich zum ersten Mal teilnehme. Rasant geht es in den Wald und ich muss aufpassen, nicht auf Wurzeln oder sonst was zu treten. Ich finde die Strecke anspruchsvoll.

Bis zum km 7 bin ich gut drauf, doch dann kann ich das hohe Tempo nicht mehr halten. Ich kämpfe und jeder Laufschritt tut weh. Endlich kommt das Ziel in Sicht und meine beiden Söhne, Leonard und Nicolas, feuern mich noch mal richtig an.

Im Ziel schaue ich auf die Uhr: 36:57min für 10 Kilometer. Hurra, ich bin im Plan.

Jetzt gilt es fit zu bleiben. Bis Frankfurt sind es noch drei Wochen. Die Trainingseinheiten machen nun mehr Spaß, denn ein Ende ist abzusehen und so geht es in die letzte Woche vor den Event.

Die letzte Woche beginnt. Nur noch einmal Intervalle laufen und ein ruhiger Lauf am Mittwoch, dann Regeneration und die Kräfte sammeln. Mein Trainer Siggi wünscht mir alles Gute. Aber bin ich total nervös und so besorge ich mir diverse „Nahrungsergänzungsmittel“, um wirklich fit zu sein. Leider bekomme ich davon in den letzten drei Tagen vor dem Marathon „Probleme“, so dass ich des Öfteren zur Toilette gehen muss. Das mache ich nie mehr wieder.

Der Tag X ist gekommen und nach dem Frühstück (Toast mit Honig) geht es gut gelaunt nach Frankfurt.

Mein Fanclub (Ursula, Wolfgang, Corinna, Leonard und Nicolas) ist dabei und wird für die notwendige Unterstützung sorgen.

Um 10:00 Uhr geht es los. Ich hab mich schlecht eingeordnet, weil zu spät in der Startaufstellung, denn der 2:59h Ballon ist auf den ersten Kilometern überhaupt nicht zu sehen. Und so umkurve ich viele Läufer die deutlich langsamer sind. Mehrmals muss ich aufpassen nicht zu stolpern. Die ersten Kilometer laufe ich dadurch sehr unrhythmisch.

Nach 10 km in exakt 42:00 Minuten, entschließe ich mich zu beschleunigen. Nach weiteren 5 km sehe ich endlich den 2:59h Ballon und dann überhole ich wenig später die Läufertraube ohne Probleme. Zum Glück ist die Strecke dort breit genug. Die HM Markierung kommt in Sicht und ich freue mich über die Zwischenzeit von 1:27:29h. Prima im Plan, freue ich mich. Ich hab mir eine Zeit zwischen 1:25h und 1:29h vorgenommen.

In Nied kommt ein weiterer Motivationsschub, mein Fanclub taucht plötzlich auf und feuert mich an. Ich bin total überrascht.

Superklasse! Ich freue mich sehr. Sind die doch glatt aus der City mit der S-Bahn schnell dahingefahren und da die Strecke dort eine Schleife macht, sehen sie mich zweimal. Corinna kann ja doch Streckenpläne lesen. Ganz schön clever. Am Ausgang von Nied, beim Rückweg in die City stehen sie dann noch mal, machen Bilder und feuern mich an.

Es beginnt die lange Gerade nach Frankfurt. Meine Fresse, ziehen sich die Kilometer und dann kommt der berüchtigte 35zigste. Nanu, was passiert mit mir? Die Beine werden schwerer, meine Finger fangen an zu kribbeln und ich schlackere daraufhin mal mit den Armen, um diese zu lockern. Der „Einbruch“ ist gekommen und meine Zeiten werden langsamer. Jetzt beiße ich die Zähne zusammen. Es kann nicht mehr weit sein. Ich sehe das Schild 38 km, noch vier und ein bisschen Kilometer, sage ich mir. Es geht wieder durch die Frankfurter-City und die Strecke kommt mir von vorhin sehr bekannt vor. Aber irgendwie habe ich das Gefühl nicht vorwärts zu kommen. Wo bleibt das nächste Schild? Ein zwischenzeitlicher Blick auf die Uhr: oh nein, ich habe auf diesem Kilometer total viel verloren. Das kann doch nicht sein. So ein Mist alles für den A…., für die Katz. Das nächste Schild 40 km kommt in Sicht. Was? Auf dem Schild steht 40 km. Ich Depp, ich habe ein Schild übersehen. Ich schaffe es. Ich bin doch in der Zeit. Jetzt alle Kraft zusammennehmen!

Mein Fanclub ist wieder da und steht auf der langen Geraden zur Festhalle: Durchhalten!

Dann kommt die Festhalle mit bunten Discolichtern, Cheerleadern, der rote Teppich, super Stimmung und das Ziel: 2h:58min:51s.

Was für ein geiles Gefühl. Ich habe es geschafft. Die „3“ ist gefallen!

Der Mehrzahl der Läufer die gerade im Ziel sind, denen geht es wohl genauso und wir beglückwünschen uns gegenseitig.

Beim Abholen des Kleiderbeutels treffe ich meinen Fanclub wieder und wir freuen uns gemeinsam.

Mein Resümee nach dieser Saison und diesem Rennen: Ich bin hochzufrieden, fühle mich super gut und weiß, dass mit der richtigen Vorbereitung und Geduld vieles geht. Das war eine gelungene Sache und die Qualen der letzten Kilometer habe ich schon fast wieder vergessen.

Nicht zu vergessen: Frankfurt ist für viele DJK Feudenheim Athleten ein gutes Pflaster für Bestzeiten. Ganz toll mit persönlichen Bestzeiten, so weit ich das weiß: Andreas, Michael und Rolf.

Mit den Laufkollegen kann ich dann in der Regeneration hoffentlich wieder öfter gemeinsam Laufen und vielleicht findet sich beim nächsten „Projekt“ ein Mitstreiter.

Hier nun die Zeiten der DJK Athleten:

Thomas Ritter 04:58:01
Andrea Berger 04:36:28
Jürgen Knapp 04:08:47
Sabine Senn 04:06:01
Ralf-Peter Snackers 04:00:35
Lothar Blank 03:57:01
Andreas Kambouris 03:54:31
Rolf Siegel 03:42:47
Michael Senn 03:26:07

Volker Deike