Frankfurt Marathon am 27.10.2013

Bei meinem 24. Marathon bremste der stürmische Wind die Läufer. Zum ersten Mal trainierte ich vor einem Marathon nach einem Trainingsplan. Rolf Siegel war so nett, mir einen speziell auf mich zugeschnittenen Plan zu erstellen. Für meine unerwartete Disziplin wurde ich im Vorfeld mehrfach von Rolf gelobt und die Voraussetzungen, meine Bestzeit von Hamburg 2012 (3:51:45) ein wenig zu verbessern, waren somit realistisch geworden.

Insgesamt sind 15.000 Einzelläufer und 6.500 Staffelläufer aus 96 Nationen am Start. Geschätzte 400.000 Zuschauer waren auf der Strecke und mehr als 2000 Helfer hatten mit ihren fleißigen Händen dazu beigetragen, daß alles für die Sportler klappte. Das Wetter war kurz vorm Start noch trocken aber schon recht windig und heftige Sturmböen sollten heute noch eine Rolle spielen. Der Startschuss fällt pünktlich um 10 Uhr 30.

Irmgard Uhlig und ich stehen gemeinsam recht weit vorne im Startblock der der zweiten großen Startwelle, sodaß wir nebeneinander starten können. Weiter vorne im ertsen Block startete auch Volker Deike, der wieder eine Zeit von unter drei Stunden anpeilte.

Chronologie meines Laufes:

KM 1 - Unser gemeinsames Tempo von 5:15 erschien mir zu schnell für mich. Aber erst mal noch abwarten, ob es sich für mich noch besser einpendelt, dachte ich mir.

KM 2 - Das Tempo war nun 5:10, und ich signalisierte Irmgard sofort, daß ich nun das Tempo rausnehmen werde um meine eigene Pace zu finden. Ich plante so zwischen 5:20 und 5:25. Ich lasse also Irmgard ungern ziehen und verabschiedete mich, aber nicht ohne ihr nochmal alles Gute zuzurufen.

KM 4-5 - Mein Tempo hat sich nun bei 5:25 eingependelt und meine Zwischenzeit bei KM5 ist 26:52.

KM 10 - Mein Tempo 5:22 ist okay und die Zwischenzeit beträgt nun 53:36. Ich habe vor, nun an allen Verpflegungsstellen etwas zu trinken. Wahnsinn, dieser Marathon hier in Frankfurt – vorbei an einer Wolkenkratzer-Skyline und Kleingärten-Idylle findet hier die große Runde statt.

KM 12 - plötzlich lief Irmgard von hinten auf mich auf, ich entdeckte sie sofort und rief ihr zu „Hey Irmgard, was machst du den hier – bist du zu langsam oder ich zu schnell“. Wir wünschten uns nochmals alles Gute, und ich ließ sie schon wieder ziehen. Sie hatte sich nur die erste von drei geplanten Getränkepausen genehmigt, und dafür nimmt sie sich immer etwas Zeit um das Wasser im Becher auch richtig aufzunehmen.

KM 14 - Die 3:44 Paceläufer überholen mich und lassen mich regelrecht stehen, obwohl ich gerade ein Tempo von 5:15 lief.

KM 20 - Leichter Regen setzte ein und wurde immer kräftiger und deutlich ungemütlicher. Trotzdem, immer weiter geht’s, und mein Ziel war es bei der Halbdistanz eine Zeit von 1:54, maximal jedoch 1:55 zu haben.

KM 21,5 - Mein Tempo ist okay und meine Zeit bei der Halbdistanz ist 1:54:15. Bin also gut auf Kurs um eine neue Bestzeit zu realisieren.

KM 25 - Ab jetzt hörte ich meine eigene flotte Musik und ich war weiter gut im Takt. Übrigens, diesmal kein zähes Abzählen der noch zu leistenden Kilometer, einfach alles. Teilweise war jetzt starker Rückenwind, der mich irgendwie auch ein Stück trägt.

KM 29 - Rolf Siegel entdeckt mich, als ich an der 3. Wechselstation der Staffelläufer vorbei komme und begleitet mich mit aufmunternden Worten. Wir laufen 500 Meter gemeinsam und ich freute mich, ihn an meiner Seite zu haben.

KM 30 - Meine Zwischenzeit war hier 2:42:59. Nun kamen die extrem starken Windböen auch von der Seite und teilweise auch direkt voll Power auf mich zu. Ich stemme mich dagegen und dachte mir, ich muss einfach kräftig dagegenhalten.

KM 32 - Ich frage mich, ob der starke Gegenwind die Ursache ist, daß ich nun das Tempo 5:35 lief oder lassen etwa meine Kräfte schon nach? Ich wollte hier bei KM 32 eine Zeit von 2:53 haben aber leider fehlt mir hier schon fast eine Minute. Trotzdem war ich guter Dinge für ein ordentliches Ergebnis heute.

KM 35 - Ich bekomme um mich herum jetzt nicht mehr allsoviel mit, nur die eifrigen Trommler einer Sambaband bringen mich dazu, mal seitlich zu schauen und auch etwas Beifall zu geben. Ich war immer und immer wieder in meiner eigenen Gedankenwelt. Durch die scharfen Windböen purzelten und tanzten die Blätter und das Laub links und rechts neben mir her und schienen sich regelrecht zu überrollen und überstürzen.

KM 38 - Der Mann mit dem Hammer war nicht in Sicht aber weiterhin ein extrem starker Gegenwind gegen den ich mich mächtig dagegen stemmte um das Tempo zu halten und sogar noch ein wenig zu forcieren. Meine Zwischenzeit lag nun bei 3:38:53. Für eine neue Bestzeit wird es sehr eng werden rechnete ich mir aus.

Zieleinlauf - Mit einer riesengroßen Läufermasse komme ich in die Festhalle und freue mich, es wieder einmal geschafft zu haben. Ich finishte mit 3:51:06 und konnte somit trotz aller Wetterumstände meine Bestzeit um 39 Sekunden verbessern.

Irmgard finishte mit tollen 3:47:07 und ist somit wie 2012 in Frankfurt Beste ihrer Altersklasse mit einem Freistart im nächsten Jahr – meine Gratulation und Respekt. Volker meistert wieder einmal eine Top Zeit von 2:58:37 – unfassbar für mich. Meine herzliche Gratulation hierzu.

Ein Läufer ist in Volker hineingelaufen wobei sich Volker eine Verletzung zuzog und sogar eine kleine Pause einlegen musste. Bestimmt wäre sonst hier und heute noch mehr drin gewesen. Rolf war der schnellste Läufer seiner Staffel und hatte zum ersten Mal die Erfahrung als Staffelläufer gemacht.

Andreas Kambouris