Hamburg Marathon 2008

Das Jahr 2007 neigte sich langsam dem Ende zu und konnte aus Läufersicht so gut wie abgehakt werden. Meine Laufpläne für das neue Jahr waren noch in der Schublade, nur ein paar wackere Marathonis aus der DJK-Schmiede, hatten sich geoutet und bereits für den Conergy-Marathon am 27. April 2008 in Hamburg angemeldet. H A M B U R G war für mich überhaupt kein Thema.

Bis zum ersten Anmeldeschluss am 30. November. Plötzlich geisterte der Hamburg-Marathon durch alle Köpfe beim Training in Feudenheim. Konny, Andreas und Rolf hatten sich bereits angemeldet. Hinzu kam jetzt auch noch Anke. Es sollte ihre wie auch Konny’s Premiere werden. Was blieb mir anderes übrig, meine Anmeldung ging unverzüglich raus und damit waren die Tage bis zum 27. April so gut wie verplant.

Die Zeit bis zum 25. April – Anreisetag – verging sehr schnell und wir fünfe fühlten uns recht gut vorbereitet und stürzten uns in das Hamburger Abenteuer. Das Wetter bis dato eher durchwachsen und kühl, versprach Besserung und Sonnenschein mit fast sommerlichen 25 Grad. Am Vorabend haben dann Lore und Gunther, Heidi und Markus, Regina und Rainer, Anke, Konny, Andreas, Rolf, Helmut und ich, eine Pizzeria unsicher gemacht, um nochmals ordentlich Kohlehydrate nachzulegen. Nach dem Motto: Lieber e bissele mehr, als zu wenig. So, der Grundstein – aus Sicht der Nahrungsaufnahme - war damit auch gelegt.

Am Sonntagmorgen – es war der 27. April und 6.00 Uhr – war ich ein wenig nervös, auch wollte der Kaffee – eigentlich sollte ich besser Tee trinken – nicht so recht schmecken.

Dennoch starteten wir zu fünft gut gelaunt um 6.45 Uhr in Richtung U-Bahn und fuhren mit anderen Frühaufstehern in Richtung St. Pauli zu Start und Ziel. Es war noch sehr kühl, aber der Wetterbericht versprach Sonne pur bis zu 27 Grad. Ausgerechnet heute. Wärme ist absolut nicht mein Laufwetter.

Im abgesperrten Bereich für die Marathonis haben wir dann den Rest der Feudenheimer Truppe getroffen. Wir waren alle guter Dinge, die Luft erwärmte sich merklich und wir mussten dann nur noch unsere Kleidersäcke abgeben und schon konnte es losgehen. Allerdings hatten sich die meisten DJKler bis kurz vorm Start plötzlich in Luft aufgelöst und mit Anke, Andreas und Rolf ging ich in Richtung unseres Startblocks. Konny, sie sollte eigentlich mit Anke einen Großteil der Strecke laufen, war ebenfalls „abgetaucht“. Anke fühlte sich gut, bekam von jedem noch ein paar Tipps und wollte keine Begleitung, somit war klar: Andreas, Rolf und ich bleiben zusammen.

Pünktlich um 9.00 Uhr gab der gerade wiedergewählte Hamburger Bürgermeister den Startschuss und los ging es. Bis zum Überqueren der Startlinie aus unserem Startblock benötigten wir gerade mal 4 Minuten und dann wurde es ernst. Die Stimmung bei uns Läufern war hervorragend. An der Strecke jede Menge Zuschauer und hinzu kam das tolle Wetter, also bisher alles bestens. Die ersten 10 km wollten wir mit einer Zeit von Min. 5,30 / km angehen. Hat auch ganz gut bis zur ersten Tränke auf der Reeperbahn geklappt. Dann plötzlich waren mir Andreas und Rolf abhanden gekommen. Ich sah sie nicht wieder, auch wenn ich noch so doll nach ihnen Ausschau hielt.

Also hielt ich mich weiter an meine Vorgabe und war auf dem Weg zu den Landungsbrücken (ca. Km 8, Elbchaussee) als ich Sonja, eine Heddesheimer Lauf- Bekannte, sah. Ich, kurz gestoppt, sie eilig begrüßt und weiter ging es. Die Stimmung war phantastisch, was mich immer wieder anspornte. Fühlte mich auch richtig gut. Nach Km 10 – es war am St. Pauli-Fischmarkt - habe ich dann mein erstes Powergel verdrückt, gleich auch etwas beschleunigt und meinen Schnitt auf Min. 5,15 / km gedrückt. Keine Probleme, es lief halt wie geschmiert. Erschreckend. War ich von mir gar nicht gewohnt. Die vielen tausend Zuschauer taten ein Übriges. Da könnte sich sogar Berlin eine Scheibe abschneiden.

Durch den Wallringtunnel ( Km 14 ) kam eine La-Ola-Welle nach der anderen. Es war einfach toll. Von Andreas und Rolf war immer noch nichts zu sehen.

Vorbei am Jungfernstieg, An der Aussenalster – mit den vielen Segelbooten – ging es in Richtung Beethovenstraße, wo dann die zweite Hälfte des Marathons eingeläutet wurde.

Kurz vorher allerdings, es war bei Km 20, wen seh’ ich plötzlich vor mir: den Rolf und mit dabei Andreas. Bei Halbzeit sind wir fast zeitgleich über die Matten und Rolf signalisierte: Es läuft nicht so gut und Andreas unter die 4 Stunden zu ziehen, können wir heute vergessen. Gut sagte ich, ich fühle mich ganz prima und werde somit mein bisheriges Tempo beibehalten, also dann tschüs, wir sehen uns im Ziel und mein 2. Powergel musste dran glauben. Es war mir selbst schon bald unheimlich, denn ab Km 22 ( Saarlandstraße ) war ich nur noch am Überholen. Nur ganz wenige sind zu diesem Zeitpunkt noch an mir vorbei. Ich war wie beflügelt…..:-) und der Schnitt war zeitweise dicke unter 5 Minuten. Hoffentlich rächt sich das am Ende nicht, ging mir immer mal wieder durch den Kopf. Km 30 kam ( Rathenaustraße ) und das 3. Powergel war fällig. Ich lief immer noch problemlos und auch der „Mann mit dem Hammer“ hatte heute bei mir keine Chance. Es war inzwischen sehr warm geworden und deshalb ging ich alle Versorgungsstellen an. Trinken war heute oberstes Gebot und natürlich immer mal wieder ein Bananenstückchen hinterher schieben, war ebenfalls ein „muss“. Nach wie vor viele tausende von Zuschauern. Tolle Stimmung und damit war weitere Motivation garantiert.

Bei Km 35 ( Alsterkrugchaussee ) nahm ich das 4. Powergel und na ja, so langsam aber sicher machten sich nun auch bei mir die Strapazen der 35 km bemerkbar. Doch da kam wie aus dem Nichts plötzlich Sonja von der Seite her, auf mich zugeschossen. Eine Cola in der Hand. Willste einen Schluck oder gleich die ganze Flasche, fragte sie. Wenn schon, denn schon…. Also gleich die Flasche geschnappt und wieder „Fahrt“ sprich, Tempo, aufgenommen. Es war wirklich ganz toll von Sonja, mich zu diesem Zeitpunkt mit einer Cola zu versorgen und es lief immer noch ausgezeichnet. Das Ziel rückte nun immer näher. Zwischen Km 38 und 40 ( Rothenbaumchaussee ) wollte ich eigentlich das geplante 5. Powergel verdrücken, doch warum auch immer: ich tat es nicht und so war es kein Wunder, dass ich auf den letzten beiden Kilometern nochmals richtig „kämpfen“ musste.

Aber – endlich – das Ziel in der Glacischaussee nicht nur vor Augen. Ich kam super durch, bei der „Hitze“. Es war geschafft! Trotz der 27 Grad eine neue PB mit 3.51.14. Was will ich mehr?

Das ursprünglich nicht geplante Hamburger Abenteuer konnte somit als ziemlich erfolgreich abgeschlossen werden.

Andreas und Rolf hatten auch bald das Ziel erreicht. Anke und Konny kamen ebenfalls durch und hatten ihre Feuertaufe mit Bravour bestanden. Allen meinen herzlichen Glückwunsch.

Jürgen Schöffel