Her mit der hohen Jungfrau

Die Teilnehmer (es fehlen Renate, Thomas, Ralf und Jürgen)

Auf den Start zum Jungfrau Marathon habe ich lange warten müssen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich schon mal höher motiviert war, eine Herausforderung auf einem derartigen Berg-Marathon Niveau zu meistern. Verstärkt wurde meine Motivation zusätzlich durch vorangehende Enttäuschungen, da ich wegen Krankheiten und einzunehmenden Antibiothikas auf den bereits gebuchten Marathon in Liechtenstein und Zermatt verzichten musste. Also jetzt war sie dran, die Jungfrau, endlich! Das Glück war mir hold, die verspätete Nachmeldung in Interlaken hat Gott sei Dank noch geklappt. Also noch mal ein Schub Motivation dazu.

Mit Trainingseinheiten im Weinheimer Exotenwald, mit 17 und 24 km, einigen 10er und einem 25 km-Lauf in Bellheim, sowie eifriges Bergtraining auf den Königstuhl- ab Leimen- holten wir eine gute Grundlage für den JM. Dass dabei einige Streckenrekorde purzelten, war ein gutes Vorzeichen.

Donnerstag bezogen wir unser Quartier in Wilderswill, das Hotel liegt etwa 500-600m von der Postbusstation, ein kleines Bergerl hoch (später dazu mehr) muss man laufen, um dorthin zu kommen.

Dann kam die Aklimatisierung in Interlaken, mit Startnummern holen, Messebummel, Pasta-Party um die Mittagszeit (neueste Erkenntnis!), dann merkte ich noch rechtzeitig, dass die Batterie im Brustgurtsender schwach wird, kaufte auf der Messe eine Batterie, der Verkäufer schaute sich die alte Batterie an: aha, eine 2025 er, ich kaufte für 12 SF dieses "Ding", wollte es am Abend einsetzen - passte nicht, da es eine 2032 er war. Hach wie herrlich, da wird eine kleine Ewigkeit mit der Pulsuhr trainiert, und beim Jahreslauf muss ich mit "ohne" Pulsuhr rennen!! Dafür stand ich etwas schlotternd am Start, bzw. um 8.30 am Samstag in den Startlöchern. Die Sonne schien zwar, aber ich hatte nur das Läufer T-Shirt an. Unterhemd, auch ohne Ärmel, habe ich 3Mal in der Hand rumgedreht und dann doch im Hotel gelassen. Au-weia, hatte ich da Mist gebaut, war doch kalt, alle hatten ein Hemd drunter!!! Aber: dachte ich mir, keine Pulsuhr, kein Unterhemd, also ganz neue Situation, mit der werde ich auch fertig---hoffentlich geht`s bald los!!

Und es ging los. Mit viel Jubel, eine kleine Runde in der Stadt, aber ohne Pulsuhr! Musikkapellen, Kuhglocken-Schwinger, und die ersten knapp 26 km recht flach (ca. 300 HM). Und das Wetter war toll, nach 10-12 km merkte ich, dass meine "Kleiderwahl", also ohne Unterhemd, genau richtig war, es gab nur strahlenden Sonnenschein. Allerdings im Schatten der Bäume, da war es doch frisch, da kamen meine neu gekauften "Armlinge" voll zur Geltung - die auch später als Sonnenschutz fungierten!

Beim Halbmarathon sah ich meine Bruttozeit, und nach einiger Gehirnakrobatik kam ich dann drauf, dass es dieses Jahr gut 2 Min. weniger waren, als vor 2 Jahren! Noch eine Schlaufe im flotten Dauerlauf im Tal nach Lauterbach mit Hubert von Mannheim, und es kam die erste "Wand". Also anderes Getriebe eingelegt, und auf Walking umgeschaltet, wobei nichts anderes übrigblieb, als die Abteilung "Powerwalking" zu bitten, mich tatkräftig zu unterstützen. Das haben die auch getan-- und wie-- . Nach ca. 4 km da hoch, merkte ich in der rechten unteren Wade so eine kleine Schmerzwelle (Tsunamie), die mich sofort an den Bellheimer Lauf erinnerten. Dort hatte ich 5 Min. nach dem Zieleinlauf plötzlich eine stahlharte rechte Wade, einen schmerzhaften Krampf, den ich so noch nicht erlebte.

Laufkollege Horst hat mich da sofort behandelt und richtig massiert, das hat aber alles lange gedauert, bis ich dann endlich wieder wusste, wo und wohin ich mein Bein strecken konnte.

Das alles ging mir in Sekundenbruchteilen durch den Kopf, als ich da in der Wand kämpfte, und die Angst war gross, was da noch auf mich zukommen könnte,wieder so einen Krampf zu bekommen, und dann aussteigen zu müssen. Habe dann extrem die Abrollbewegung des Fusses überwacht, schön vorsichtig, und natürlich -ohne grosse Power-ging es weiter. und bei allen späteren Attacken der Wade, immer schön gleichmässig und langsam die Laufbewegungen kontrolliert u.durchgezogen.

Dieser kleine zuckende Schmerz war aber mein ständiger Begleiter auf dem Weg da nauf, aber gutes Zureden half auch da. Apropo Horst, und mich mal schnell zwischendurch massieren, da war nichts-- der hatte Bedenken wegen einer Laufkollegin, und ist mit ihr die ersten 25 km gelaufen, danach hat er seine Aufholjagd gestartet, und wenn dies kein JM, sondern ein 50 km- Lauf gewesen wäre, hätte er mich bald gehabt. Trotz meiner "Wade " habe ich den weitern Lauf wieder sehr genossen, es ist einfach riesig, diese Bergkulisse, mit den noch verbleibenden Gletschern. Die Begeisterung der Menschen überall, in Wengen, auf der Strecke, im Ziel, die Alphornbläser, der Dudelsackpfeifer, die Verpflegung. Hier habe ich alles, was ging, gebunkert: 2erlei Isogetränke, Bananen, Gels, Bouillon, Cola ( das erste Mal, dass ich soviel davon getrunken habe), Riegel, kurz vor dem Ziel gabs die Schokolade,mhmm fein, und Wasser, Wasser, ohne Wasser kein Leben, da merkt man, diese Weisheit wird wohl stimmen. Dass ich unterwegs noch geschwollene Hände bekam, ist wohl auch drin, aber alles wieder i. O. Die ganze Strecke bin ich mit Christiane gelaufen, am Berg habe ich etwas gezogen, danach hat sie mich wieder eingeholt, und sie hat mich dann gezogen. War toll, vielen Dank!!

Zum Schluss musste ich ein Zugeständnis an die Jugend machen, und kam 2 Min. nach Christiane ins Ziel. Aber glücklich, und einige kleine Freudentränen habe ich einfach laufen lassen. Und ich bin mir sicher, es folgen noch einige solche Bergläufe.

Manfred Haupenthal