Jungfrau-Marathon am 10.9.2011

Bericht einer “Ersttäterin”

Der Lauf ist grandios, ich kann ihn nur jedem empfehlen. Nach den ersten 10 flachen Kilometern (durch Interlaken, am Brienzer See vorbei etc) geht es durch Wald, an einem Gebirgsbach entlang langsam hoch nach Grindelwald. Dieser Teil ist schon sehr schön, da man häufig die Flussseite wechselt. In den Dörfern herrscht immer gute Stimmung und man wird kräftig angefeuert, meistens mit dem Namen. Vor Grindelwald wird noch eine Schleife in Richtung der Wasserfälle gelaufen, bevor es dann ab ca. Km 25 zur Sache geht, d.h. gehen ist angesagt.

Auf den nächsten 5km erwarten die Läufer 26 Kehren mit Steigungen, die man in unseren Breiten nicht trainieren kann. Dieser Teil ist meiner Meinung nach der anspruchsvollste. Ab Wengen kann man dann wieder laufen, unterbrochen von Gehpausen, je nach individuellem Leistungsvermögen. Ab ca km 38 ist es dann endgültig vorbei mit dem Laufen, dann wird die Schrittgeschwindigkeit von den vorausgehenden Läufern vorgegeben, denn es geht im Gänsemarsch weiter. Überholen ist nur noch ganz selten möglich. Aber die AUSSICHT!!!!! Mönch, Eiger, Jungfrau sind zum Greifen nahe. Der Eigergletscher, das ganze Panorama. Es kann durchaus vorkommen, dass die Karawane ins Stocken gerät und zum Stillstand kommt, was gar nicht so schlecht ist, da man dann in Ruhe die Aussicht geniessen kann. (Während des Gehens hält man den Blick besser auf den Boden gerichtet.) ‘Wenn man dann noch wie ich das Glück hat zwischen zwei Einheimischen zu gehen, die einem alles genau erklären und auf die Veränderungen des Gletschers etc. hinweisen, ist die Sightseeingtour perfekt.Ausserdem sollte man nicht den weiteren Verlauf der Strecke in Augenschein nehmen, das könnte entmutigen. Nach einer letzten Schwelle, die man mit tatkräftiger Unterstützung von Helfern gut überwinden kann, geht es dann ca 1km berab ins Ziel an der Kleinen Scheidegg.

Damit ist der offizielle Marathon beendet, nicht aber der tatsächliche, denn die Wege vom Ziel zur Abgabe des Chips, zu den Kleiderbeuteln und zu den Duschen sind ganz schön lang.(Vor allem kommt es auf die richtige Reihenfolge an, sonst muss man Wege zweimal gehen,) Ausserdem sollte man viel Zeit für die Rückfahrt einplanen, denn es müssen ja tausende Menschen befördert werden, was eine riesige Herausforderung ist.

Fazit:Der Jungfrau-Marathon wirbt als “schönster Marathon der Welt”.Ich kann nicht beurteilen, ob das stimmt. Aber Anspruch auf einen Platz ganz vorne hat er meiner Meinung nach auf jeden Fall.

Was die Anforderung angeht kann ich nur sagen, man darf ihn nicht unterschätzen, aber dadurch, dass man große Teile gehen muss, ist er gut zu schaffen. Problematischsind vor allem die Kontrollzeiten, denn da verstehen die Schweizer keinen Spass. Es muss natürlich im Vorfeld eine gute Grundlage geschaffen werden, damit es nicht zu muskulären Problemen kommt, was sehr häufig geschieht.(Deshalb gibt es auch sehr viele Stationen, wo man sich massieren lassen kann.) Und allen, die den Marathon nicht laufen wollen, weil er aus zu vielen “Wanderphasen” besteht, kann ich nur sagen, das macht doch nichts; man ist hinterher jedenfalls nicht kaputt und kann dann nach einigen wochen ja noch einen schnellen Stadtmarathon dranhängen.Vergesst die Laufzeiten und geniesst einfach die Aussicht! Ich habe mich immer gewehrt, einen alpinen Marathon zu laufen, da ich Probleme mit der Höhe habe, (und die hatte ich dieses Mal auch) aber ich bin fest entschlossen, den Jungfrau-Marathon nochmals zu laufen, allerdings mit einer längeren Anpassungsphase vorher. P.s.Ich will natürlich nicht verschweigen, dass das extrem schöne wetter (wie ist die Steigerung von “Kaiserwetter”?) Viel zu dem positiven Eindruck beigetragen hat.

Irmgard