Mein erster Marathon und die Folgen

Mein erster Marathon und die Folgen
Als vor knapp 2 Jahren unser betriebliches Gesundheitsmanagement einen Laufkurs anbot, sah ich endlich die Chance gekommen, um meine sportlichen Ambitionen zu erweitern, wobei mein Wunsch zu Beginn nur war, einmal 5 km ohne Pause laufen zu können. Allerdings sollte meine Laufkarriere zunächst erst gar nicht in Schwung kommen, weil aufgrund von akutem Teilnehmerschwund nach 2 Laufeinheiten der Kurs schon wieder eingestellt wurde. Das hielt mich aber nicht davon ab, das Angebot des Trainers anzunehmen und die restlichen Einheiten bei seinem nächsten Laufkurs zu absolvieren. Plötzlich befand ich mich unter lauter „Marathonis“, d.h. ich als blutige Anfängerin musste mir meinen Platz unter lauter „Profis“ erst erkämpfen. Ich ließ mich dadurch aber nicht entmutigen und lief einfach mein Tempo, auch wenn ich dadurch meist hinterherlief, spätestens zum Koordinationstraining und zur Gymnastik fand ich mich dann wieder bei der Gruppe ein. Nach relativ kurzer Zeit erwarb ich mir eine gewisse Ausdauer, so dass ich dann auch in der Lage war zusätzlich bei Ausdauer- und leichten Bergläufen am Wochenende teilzunehmen. Als ich dann aber im Frühjahr 2010 gebeten wurde, an einem 10 km-Lauf teilzunehmen, zögerte ich zunächst, ließ mich aber von Siglinde Buse, die ich beim Laufkurs kennengelernt hatte, dazu überreden mit ihr teilzunehmen. Nachdem ich diesen für meine Verhältnisse recht ordentlich überstanden hatte, folgenden mehrere kleine Läufe bis hin zum Staffellauf beim MLP-Marathon 2010 in Mannheim. Damit war mein Laufkurs zu Ende. Da ich bis dahin aber bereits mit Siglinde einige Bergläufe am Königsstuhl und im Exotenwald bestritten hatte, beschloss ich mich mit ihr für meinen 1. Halbmarathon zu trainieren. Diesen lief ich in Karlsruhe so erfolgreich, dass ich mich sofort zu meinem 2. Halbmarathon in Dresden anmeldete, den ich noch besser beendete. Gleichzeitig trainierte bzw. absolvierte ich weiter Bergläufe. In dieser Zeit reifte dann der Entschluss meinen 1. Marathon in den Bergen zu laufen. Im Januar 2011 meldete ich mich für den LTG Marathon in Liechtenstein am 11.6.2011 an und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen auch gleich für den Swissalpine in Davos am 30.7.2011, dort allerdings lediglich für den K30. Nach 3 Bergrennen im Februar und März Jahres begann dann die heiße Phase der Vorbereitung. Zusammen mit Siglinde erarbeitete ich ein Trainingsprogramm, das wir konsequent einhielten. Neben kurzen Laufeinheiten in der Ebene, folgten Laufeinheiten über 30 km, diese u.a. auch zum Königsstuhl oder im Exotenwald. Unterstützt und um Abwechslung in das Training zu bringen unternahmen wir in dieser Zeit auch einige längere Radtouren. Außerdem wurde das Programm durch regelmäßige Gymnastik- und Laufbandeinheiten ergänzt. Bereits im Herbst erweiterte ich meine Vorbereitung mit der Teilnahme am Wintertraining mit Gymnastikeinheiten (Rumpfstabilisation) und Koordination in der Halle bei Siegfried Kattermann vom DJK-Feudenheim. Es war dann nur folgerichtig ab Juni 2011 dem DJK beizutreten, zumal ich dadurch in der Lage bin, direkt nach Büroschluss trainieren zu gehen. 3 Tage vor dem Start in Liechtenstein fuhr ich mit Siglinde Buse und Manfred Haubenthal ins Fürstentum Liechtenstein, dem mit 36000 Einwohnern viertkleinsten Staat der Welt, wo wir in einem Kloster in Schaan preisgünstig untergebracht waren. Der Marathon wurde zum 12. Mal ausgetragen, die Strecke führt über 36 % Asphalt, 42 % Naturstraße und 22 % Bergwege sowie über 1600 Höhenmetern. Die Tage vor dem Rennen nutzten wir, um die Strecke zu besichtigen, was sich als sehr nützlich erweisen sollte, da beim Start in Bendern der Himmel beschlossen hatte seine Schleusen zu öffnen und sie auch kaum mehr schließen sollte. Wir hatten dementsprechend ein Bild von der Strecke, die wir aufgrund des schlechten Wetters am Renntag zum Teil nur schemenhaft vor Augen hatten. Die Strecke am Rhein entlang zu Beginn des Rennens verlief zum Einlaufen eben. Zwischen Kilometer 10 und 20 ging es dann rund 1000 Höhenmeter nach oben, das malerisch gelegene Schloss der Hauptstadt Vaduz nahmen die Sportler nur am Rande wahr. Die Regengüsse nahmen nicht ab, dennoch hielt mich das nicht davon ab meinen Lauf unvermindert nach meinen Möglichkeiten fortzusetzen, trotz zum Teil widriger Verhältnisse. Ich hielt mich streng an die mir auferlegten Vorgaben, was die Verpflegung betraf. Es sollte sich auszahlen, dass ich bereits im Training diverse Experimente mit Gels, Iso-Getränken, Riegeln und Aktivatoren unternommen hatte. Im gesamten Verlauf des Rennens hatte ich keinerlei nennenswerte körperliche Beschwerden, wenngleich der Lauf aufgrund der Wetterverhältnisse deutlich erschwert war. Da dies mein erster Marathon war, sollte mein vorrangiges Ziel sein ihn erfolgreich zu beenden, deshalb ließ ich mich zu keiner Zeit des Laufes dazu verleiten mich frühzeitig zu verausgaben, wohl wissend, dass noch ein steiler Anstieg (500 Höhenmeter) zwischen Kilometer 32 und 35 bevorstand. Auf den Waldwegen/Naturwegen kamen den Läufern Morast und Schlamm auf den zuvor ausgetrockneten Waldwegen entgegen. Danach ging es dann 1 km genauso steil den Berg runter, wie es zuvor nach oben ging. Ab Kilometer 37 konnten die Läufer im Tal das Ziel in Malbun sehen, die Lautsprecher hören und so ging es erst nochmals 1 km steil nach oben. Mit den letzten Kräften ging es dann dem Ziel nach unten entgegen. Dieses erreichte ich dann in einer Laufzeit von 6:21,13 Std, keine herausragende, aber für die Verhältnisse annehmbare Zeit und ich konnte wertvolle Erfahrung für die zukünftigen Rennen sammeln. Manfred Haubenthal erzielte bei diesem Rennen mit 5:58,17 Std eine persönliche Bestzeit und war damit 4. in seiner Altersklasse. Siglinde kam mit 6:27,13 Std. ins Ziel und konnte sich mit dieser Zeit über den 2. Platz in ihrer Altersklasse freuen..

Swissalpine 30.07.2011
Mit dem guten Gefühl einen Marathon erstaunlich gut überstanden zu haben fuhren wir am nächsten Tag nach Hause, um sofort wieder das Training für das nächste Highlight in Davos aufzunehmen. Am darauffolgenden Wochenende waren wir schon wieder im Exotenwald unterwegs, was folgte waren regelmäßige flache Läufe, unterbrochen durch Gymnastik- und Fitness-Studio-Einheiten. Um den Spaß am Laufen etwas zu betonen, beteiligten wir uns am Mitternachtslauf in Albersweiler, bevor ich zusammen mit Siglinde Buse und Horst Reisig am 24.7.2011 nach Davos fuhr. Dort trafen wir nach Mitternacht ein, was uns nicht davon abhielt am 25.7.2011 an der Besichtigung der geänderten Teilstrecke zwischen Chants und Sertig Dörfli teilzunehmen. Dies vermittelte mir bereits einen gewaltigen Eindruck, was meine beiden Mitstreiter am 30.7.2011 erwarten sollte. Ich selbst ließ mich auch nach Besichtigung der Teilstrecke nicht dazu überreden eine Ummeldung vorzunehmen, weil ich mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht in der Lage sah am härtesten Berglauf der Welt die Marathonstrecke über den Pass zu laufen. Die Tage vor dem Start nutzten wir, um uns die herrliche Berglandschaft um Davos anzusehen. Aufgrund der Anmeldung zum Swissalpine konnten wir sämtliche Ausflüge in dieser Woche kostenlos entweder mit der Rhätischen Bahn oder mit den Seilbahnen unternehmen. Dies nutzten wir, um St. Moritz zu besichtigen (allein die Anreise dort ist überwältigend), um auf die Schatzalp (das ehemalige Sanatorium dort ist Schauplatz des Romans „Der Zauberberg“ von Thomas Mann) oder das Jakobshorn zu fahren, um dort ausgiebig zu wandern. Einen Ausflug zur Schaukäserei in Clavadel sollte man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen. Am Freitag holten wir unsere Startunterlagen ab, besuchten interessante Vorträge zum Lauf und holten uns den Segen von oben ab, als wir einen speziell für die Läufer abgehaltenen Gottesdienst besuchten. Am Abend lud uns unser Hotelier zu einer Pasta-Party ein. Nachdem wir am Samstag, auf Wunsch von Siglinde, bereits ab 4.45 Uhr unser Frühstück eingenommen hatten, machten wir uns auf den Weg zum Stadion in Davos. Pünktlich 7.00 Uhr fiel der Startschuss. Die ersten 5 km spielten sich eben in Davos (1500 m)auf der Asphaltstraße ab, um dann abzubiegen Richtung Frauenkirch, über Lengmatte, Mühle nach Spina, wo es dann 4 km zum höchsten Punkt auf 1700 m zum Rotschtobel hinaufging. Ab hier verlief die Strecke sehr steil bergab bis nach Monstein, wobei sich meine Knie mit Schmerzen bemerkbar machten. Entschädigt wurden die Sportler allerdings mit der atemberaubenden Aussicht der Zügenschlucht, dem Durchlauf durch Felsentunnels, um dann in Wiesen über das imposante Viadukt zu laufen, das zum Weltkulturerbe gehört. Allein dieses Bauwerk ist es wert, um beim Swissalpine teilzunehmen. Von Wiesen waren es dann für mich noch 5 km bis zum Ziel nach Filisur, dies erreichte ich nach einer kurzen Steigung dann mit einem sehr langen Bergablauf in einer Zeit von 3:25,27 Std. Dort angekommen wartete ich auf Siglinde und Horst, um sie mit den Worten „Ich möchte Eure rote Nummer in Davos sehen“ auf die folgenden 49 km über Bergün, Chants, Keschhütte, Panoramatrail, Sertigpass, Sertig-Dörfli, Clavadel nach Davos zu schicken. Sie hatten dazu noch bis 21.00 Uhr Zeit. Ich selbst machte mich nach dem Duschen per Bahn auf den Weg zurück nach Davos, um mir den Einlauf des Siegers anzusehen (6:11 Std.). Zu diesem Zeitpunkt hatte sich auch bereits eine Wetterverschlechterung eingestellt, was die beiden dann auch im hochalpinen Bereich mit Regen, Kälte und Nebel schmerzlich zu spüren bekamen. Beide kamen dann auch unter Inanspruchnahme aller angebotenen Verpflegung und unter Aufbietung sämtlicher Reserven nach 13:08 Std (Horst) bzw. 13:44 Std (Siglinde) mit ihrer roten Startnummer ins Ziel, wobei sich Horst diesen Traum bereits zum 4. Mal, Siglinde aber zum 1. Mal erfüllen konnte. Aufgrund dieses Erfolges habe ich daraufhin beschlossen meinen Traum im nächsten Jahr wahrzumachen und zumindest den K42 zu laufen, der auf halber Strecke zum K78 in Bergün beginnt und in Davos ankommt. Ich kann jetzt schon den Applaus der im Stadion ausharrenden Zuschauer hören, der die Sportler geradezu ins Ziel trägt. Vielleicht überkommen mich aber auch die Emotionen und ich starte mit einer roten Nummer. Den Sonntag nutzten wir noch, um uns am Davoser See zu erholen, der Himmel hatte seine Schleusen geschlossen und schenkte uns noch einen schönen Tag. Der Montag war Nationalfeiertag, was wir tagsüber nutzten, um noch mal eine Wanderung zur Käserei zu unternehmen respektive um am Abend an den Feierlichkeiten im Kurpark teilzunehmen, wo es traditionell Gerstensuppe frei für alle Besucher gibt und anschließend ein Klangfeuerwerk abgefeuert wird, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Mit diesen Eindrücken fuhren wir am 2.8.2011 nach Deutschland zurück.

Bellheimer Sommernachtslauf 6.8.2011
Ich musste am 3.8.2011 wieder zur Arbeit und hatte dann erstmal noch Mühe mich wieder an unser Klima anzupassen, weshalb sich mein Training mehr aufs tägliche Walken beschränkte. Noch in Davos hatte ich mich für den 25 km Sommernachtslauf in Bellheim angemeldet. Gemeinsam mit meinen Laufkollegen fuhr ich dorthin, um die Startnummer abzuholen, etwas warm zu laufen und um pünktlich um 19.00 Uhr auf die Strecke geschickt zu werden. Zunächst ging es erstmal 6 km in einer kleinen und großen Schleife in Bellheim „rund“, bevor wir dann auf die Strecke nach Westheim geschickt wurden, wobei es schon leicht anfing zu regnen. Ab Kilometer 10, kurz vor der Übergabestelle für die Duoläufer, öffneten sich dann die Himmelsschleusen und es fing stärker an zu regnen. Zwischen Westheim (km 13) und Lustadt (km 17) zog dann ein Gewitter auf. Über uns eine schiefergraue Wand, stärkerer Wind – natürlich von vorn – Regen in Böen. Obwohl wir alle bis auf die Haut durchnässt waren, kam mir der Regen nicht ungelegen, da ich mit den schwülen Temperaturen zuvor meine Probleme hatte, der Regen machte die Luft klarer und ich fühlte neue Kräfte in mir aufkommen, meine Atmung ging leichter, auch meine Beine ließen es nun schneller angehen. Vielleicht lag es aber daran, dass ich mich mit Gel und Coffein eingedeckt hatte, die jetzt anfingen zu wirken. Ich passierte Zeiskam und machte mich auf dem Weg zurück nach Bellheim, bei Kilometer 21 schaute ich auf meine Pulsuhr, um festzustellen, dass ich eine persönliche Bestzeit für den Halbmarathon gelaufen bin, im Schnitt unter 6 Minuten, ich könnte es schaffen im Ziel unter 2:30 Std einzulaufen. Das gab mir auch nochmals einen Motivationsschub. Fackeln ab Kilometer 24 -es ist aufgrund der Witterung schon recht dunkel- und aus den Lautsprechern tönt „The Final Countdown“. Nur noch um eine Linkskurve, wo mich Horst begrüßt und auf die letzten 100 m schickt. Das Ziel erreiche ich in 2:27,43 Std. Alles richtig gemacht, das macht Mut für die nächsten Läufe, auch wenn mir die Asphaltläufe doch sehr in die Knochen respektive in die Beine gehen. Die Dusche ist dafür kalt, die Umkleide überfüllt, schneller laufen müsste man können.

Andrea Berger