Vorbereitung und Bestzeit beim MLP-Marathon 21.05.2011

Nach den ermutigenden Laufergebnissen im Herbst 2010 (Halbmarathon, Karlsruhe; Herbstlauf, Feudenheim und Marathon, Florenz) und einer angemessenen Regenerationspause, fasste ich im neuen Jahr den Entschluss den nächsten Marathon (Mannheim) mit einem eigens für mich entworfenen Trainingsplan zu bestreiten.

Nachdem ich mir überlegt habe, wieviel Zeit ich in das Training investieren kann, macht sich Lauftrainer Siggi ans Werk und erstellt mir einen Trainingsplan für die ersten 8 Wochen, inklusive HM Testwettkampf. Ein erster Blick auf den Plan dämpft meine Euphorie und mir wird klar: Da kommt was auf dich zu. Der Trainingsplan fängt dann praktischerweise im Februar während meiner Segelwoche auf den Kanarischen Inseln an. Also Laufklamotten, insbesondere T-Shirts und Socken, in ausreichender Menge mitnehmen und den guten Vakuumbeutel (wg. Duft an Bord) nicht vergessen. Das Klima ist dort im Winter angenehm zum Laufen und so spule ich die ersten Trainingsplankilometer immer direkt nach dem Segeltag abwechselnd auf Gran Canaria, Teneriffa und Gomera ab: wunderschön! Das traditionelle Anlegerbier gibt es für mich eben erst nach der Trainingseinheit.

Da ich für die Spätherbst- und Wintermonate einen 6 Monatsvertrag in einem Fitnessstudio abgeschlossen habe, erkläre ich dieses zu meiner Mannheimer Laufbasis (Dusche + Sauna). Die beleuchtete Laufstrecke liegt gleich nebenan.

Nach ca. 2-3 Wochen ist jede Trainingseinheit einmal „durchgearbeitet“ und so bejuble oder verfluche ich wahlweise die Einheiten, aber ausfallen, das nehme ich mir vor, lasse ich keine.

Als sehr fordernd empfinde ich die langen sonntäglichen Einheiten die darauf ausgerichtet sind zum Ende die Kilometerzeiten in Richtung Renntempo zu steigern. Das klappt bei mir nicht in letzter Konsequenz.

Der 3. April (Freiburg Halbmarathon) rückt immer näher und die Vorfreude erste Früchte, sprich eine gute Zeit zu ernten wird immer größer. Geht das überhaupt, wenn die Woche davor voll trainiert wird?, frage ich mich. Wie wir heute alle wissen ist dieses Wochenende der Sommerauftakt mitten im Frühling und die Temperaturen beim Start um 11:00 Uhr an der Freiburger Messe bereits jenseits der 25°C. Nach drei Kilometern ist mein Mund trocken wie die Wüste Sahara und die Zunge klebt am Gaumen. Knapp 41 min. später, bei km 10, fühle ich mich noch gut, aber 1 km weiter, an den Ufern der Dreisam, total platt. Zum Glück folgt die Verpflegungsstelle bei km 13 und ich tanke frisches Wasser. Das hilft aber nur kurz. Es kommt wie es kommen muss: Mein Gel leer, mein zusätzlicher persönlicher Trinkvorrat leer und noch 3 km bis zur Wasserstelle bei km 18. Das ist ein saublödes Gefühl. Endlich kommt die Wasserstelle in Sicht. Erst mal kühlen, trinken und die kleine Gürtelflasche auffüllen und versuchen möglichst locker ins Ziel zu laufen. Auf dem letzten Kilometer steht ein Krankenwagen und zusammengebrochene Läufer liegen am Straßenrand, aber ich hab's geschafft. Im Ziel schließlich nach 1:33:04 und dort schnell den Regenerationsdrink abpumpen. Fazit: Das ist ein harter Lauf gewesen.

Trainer Siggi ist in Anbetracht der Umstände zufrieden, also bin ich es auch. Es folgt nun Teil zwei vom Trainingsplan. In diesem liegt der Schwerpunkt auf Sprinteinheiten oder anders ausgedrückt: Tempohärte.

Gefühlt sind diese Einheiten noch anspruchsvoller und zusammen mit den langen Sonntagsläufen sehr anstrengend. Die sechs Wochen bis zum Marathontermin vergehen wie im Flug und am Ende laufe ich die Sprinteinheiten souverän im vorgegebenen Tempo. Der letzte Sonntagslauf vor dem Marathon (90min) klappt super. Ich absolviere 20,4 km in 1:28 bei niedrigem Durchschnittspuls und bin danach noch frisch und munter. Komm nur Marathon, ich bin bereit!

Der tägliche Blick auf die Wettervorhersage lässt für das Wochenende hohe Temperaturen erwarten. Und so ist es dann auch. Das gleiche wie in Freiburg?, denke ich mir schon. Also tagsüber viel trinken. Ich gehe vor dem Start 1000-mal auf dem Klo.

Pünktlich um 18:30 Uhr fällt der Startschuss und los geht es über die Augustaanlage nach Seckenheim. Zuerst empfinde ich die Temperatur als nicht so schlimm, aber draußen am Rand von Seckenheim ist es heiß und die Wasserstelle bei km 9 dringend nötig. Die Stimmung in Seckenheim ist sehr gut und motivierend, es geht zurück in Richtung Mannheim und ich weiß am Fernmeldeturm ist der DJK-Stand mit Wasser und ordentlich Aufmunterung. Als man mich entdeckt gibt es viel Zuspruch und vor allen Dingen viel Kühlung mit Wasser. Ab diesem Zeitpunkt schaue ich mich nach weiteren Marathonläufern um. Wer trägt eine weiße Nummer und läuft in etwa mein Tempo? Es sind einige dabei, also mitlaufen und dann gibt es vielleicht ein Grüppchen für den schwierigen zweiten Teil mit der Brücke nach LU. Die Marathonweiche kommt in Sicht. Ich habe zu diesem Zeitpunkt die Führung der „Gruppe“. Also geradeaus weiter, kurzer Blick rechts und links. Hallo, wo sind die geblieben? Abgebogen, na klasse! Vor mir (ca. 250m) ein, zwei Läufer, hinter mir erst mal keiner. Tolle Wurst. Die Halbmarathonzeitmessung kommt im Anstieg zur Brücke nach LU (1:31:18) und ich denke nicht schlecht, aber ich bin alleine. Quasi alleine auf den nächsten 21,1 km. Ich überhole den einen oder anderen Läufer, werde auch mal überholt, aber eine Gruppe bildet sich nicht. Die Stimmung ist in Ludwigshafen lau, in Rheingönnheim super, in der Gartenstadt wieder verhalten, auf der Brücke nach Mannheim gar nicht vorhanden. Der arme BigFM DJ ist ganz alleine. So wie ich. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Kurz vorher bekomme ich Magenkrämpfe. Ist es das Elektrolyt oder die Cola oder beides zusammen eine teuflische Mischung? Für 2 km muss ich das Tempo rausnehmen. Dumm nur, dass das im Anstieg zur zweiten Rheinüberquerung ist, also Quälerei. Auf der Brücke geht es dann besser und ich kann das Ziel erahnen und erhören. Nun noch etwas mehr als 2 km, dann hast du es geschafft! Der Knick in den Quadraten ist für die Psyche blöd: Man sieht das Ziel und muss noch einen Bogen laufen, um erst dann endlich Richtung Friedrichsplatz abzubiegen. Von dort um den Brunnen zum Rosengarten, dann das Ziel nach 3:15:11. Endlich! Es folgt ein kurzes Gespräch mit den Laufkollegen Küppi, Irmi und Harry. Ein Schlückchen alkoholfreies Bier und dann fängt der Magen wieder an zu grummeln. Drinnen im Rosengarten warte ich auf Corinna und der Magen grummelt immer mehr. Da kommt sie. Jetzt nix wie raus, sonst gibt es drinnen eine Sauerei. Am Zaun erst mal spucken. Danach ist alles gut. Ein Blick auf die Uhr zeigt mir das Laufkollege Rolf gleich auftauchen muss und tatsächlich, zweiter der AK60 und eine super Zeit, auch noch ein negativer Split, wie schafft er das nur? Wenig später kommt Laufkollege Andreas, ebenfalls mit einer super Zeit.

Mein Fazit: Auf der ersten Hälfte eine Hitzeschlacht, auf der zweiten Hälfte eine Schlacht gegen den inneren Schweinehund. Ich war mir nicht immer sicher, ob ich unseren Lauftrainer Siggi dankbar sein soll oder ihn hasse. Aber letzten Endes zahlt sich eine sehr gute Vorbereitung mit qualifiziertem Trainingsplan aus. Siggi vielen Dank nochmal! Ich freue mich auf den nächsten Marathon, es dürfte nur etwas kühler sein.

Volker Deike