Zermatt-Marathon - ein Loblied auf den Laufkollegen Horst Reisig

vom sehr schweren Zermatt-Marathon muss ich berichten. Nach gutem Training sind wir 3, Siglinde, Horst und ich, mit 2 Fans, Christa Saxer und meiner Frau, Hilde, am Donnerstag ins Hotel Hannigalp nach Grächen gefahren, damit wir Läufer dort noch ein 3-Tage Trainingsprogramm in Anspruch nehmen konnten (andere, im Hotel anwesenden Läufer/innen waren schon seit Sonntag im 7-Tagestraining).

Die Anfahrt war ausser einem mittleren Unwetter in der Schweiz gut und gemütlich. Nach einer Begrüssung sahen wir einen Film vom letztjährigen Zermatt-Marathon mit einigen eindrucksvollen Bildern. Wir waren ja alle auf die Strecke gespannt, und die Nervosität war dem einen oder anderen schon anzumerken. Die Vorfreude war gross. Begeistert waren wir 3 besonders von dem lockeren kleinen Berglauf am nächsten Freitag ab dem Hotel, einfach 20 Minuten gelaufen - und wieder zurück. So konnten wir uns etwas an die Höhenluft in 1617m.ü.M. Grächen gewöhnen. Die Startnummern in Zermatt haben wir am Nachmittag abgeholt, sind dann noch mit der Bergbahn bis zum Ziel Riffelberg - 2582 m.Ü.M. und darüber hinaus bis zur Gornergrat-Plattform in 3100 m Höhe gefahren. Und haben so alle noch ein wenig die herrliche Bergwelt genossen.

Ja, und dann war`s soweit. Um 8.00 Uhr am Samstag gings mit 2 Postbussen nach St. Niklaus (1085m.ü.M.) zum Bahnhof und danach in den Startbereich.

Mit 1500 Meldungen insgesamt war es in Zermatt neuer Teilnehmerrekord.

Start um 9.25 Uhr für die Elite, wir durften dann um 9.30 Uhr los, nachdem wir zuvor ca. 1/2 Stunde mit den Hufen scharrten.

Um den Startplatz rum, gings gleich den Berg rauf - schonungslos, so, als wären wir aus Hockenheim nichts anderes als Bergläufe gewöhnt, aber wir haben auch dies akzeptiert, sind drauflosgelaufen, und nach 10,5 km hatten wir von den insgesamt 1900 Höhenmetern schon 315 davon "geknackt".

Temperatur so um die 20-22 Grad, für mich etwas zu heiss, ich bin eher ein "Kälteläufer" habe jeden Baum oder Strauch unterwegs für mich ausgesucht. Die ersten 5-8 km, da war einige Unruhe zu spüren. Hatte ich meinen Lauf-Rhytmus gefunden, kam schon wieder eine grössere Steigung, die dann gewalkt werden musste. Wir 3, Siglinde, Horst und ich haben uns nach einigen Laufkilometern darauf geeinigt, dass jeder für sich weiterlaufen solle. Muss aber zugeben, dass ich mich etwas an Horst orientierte, und das sollte mal sehr sehr gut sein.

Die 600 Höhenmeter bis zum Halbmarathonziel in Zermatt waren schon heftig. Da gab es schmale Wege, auf denen das Überholen schwer war. Sollte ich dahinterbleiben, und mich etwas erholen? oder Überholen? Das war manchmal die Frage, die man sich auf solchen Wegen stellte. Hat man sich entschlossen, zu überholen, war der Abstand nach hinten gleich grösser, und die Entscheidung somit richtig. Begeisterte Zuschauer in den Walliser Bergdörfern Herbriggen, Randa und Täsch brachten immer wieder neuen Schub in die Beine.

Besonders reizvoll anzusehen waren die mit grossen schweren Schiefertafeln gedeckten Häuser, die aussahen, als müssten sie die wirklich reizende Bevölkerung vor evtl. riesigen Steinen, Schneemassen o. ä, schützen.

Auf welche Gedanken man da kommt, wenn die Beine sich den Weg bahnen.!!

Nach 2.29Std. hatte ich das Halbmarathonziel in Zermatt erreicht. Horst lief ca. 15 m vor mir. Die Hauptstr. war für die Läufer durch Absperrungen abgegrenzt. Diese Absperrungen haben unten einen Fuss, der etwas vorsteht. Über einen solchen Fuss bin ich gestolpert, konnte mich nicht mehr halten, und bin dann noch mit dem Kopf aufgeschlagen. Das Blut spritzte aus einer Platzwunde am Auge auf die Strasse, meine Brille hatte zwei ganz nach aussen stehende Bügel, die konnte ich so nicht mehr aufsetzen. In dem Moment als ich unten lag, habe ich ganz laut und vor Wut "Sch...." gebrüllt....

Und das hat Horst gehört. Auf jeden Fall war er sofort bei mir, half mir auf die Beine, presste seinen Schwamm auf meine Wunde, sprach beruhigend auf mich ein und ging mit mir zurück, einen Sanitäter zu suchen.

Das finde ich so toll, dass er sich diese Zeit genommen hatte.

Dies ist eigentlich das Wichtigste in diesem Bericht, mich bei Horst Reisig recht herzlich zu bedanken. Denn ohne seine Hilfe hätte ich mein Ziel, den Zermatt-Marathon zu Ende zu laufen, nicht erreicht.

Sein Ziel war, den Lauf unter 6 Std. zu schaffen, und so hat er mindestens 6 Minuten verloren.

Der Rest ist schnell erzählt, ein Helfer hat mich übernommen auf dem Weg zum Sanitäter, er hat auch meine Brillenbügel zurechtgedrückt (mit 9 u. 9,5 Dioktrin kann ich ohne Brille keinen Schritt laufen).

Die Sanitäter haben die Wunde desinfiziert, genäht werden musste nichts, Pflaster drauf, und nach ca. 10 - 12 Minuten konnte ich meine Reise wieder fortsetzen.

Der Berg war schon schwer. Allein die Strecke von Zermatt bis zur Sunnegga war mit knapp 12 km 658 m hoch und dies an einem Stück!! Da musste ich aufpassen, denn manchmal war ein beginnender Krampf in den Waden zu spüren, also zurücknehmen und langsam weiter.

Zeiten von 10.27 min.; bis 13.36 min./km benötigte ich da. Die letzten 3 km mit 360 Höhenmeter waren nur mit 2 Bouillon, 1 Gel, 1/2 Riegel, u. Isogetränke zu schaffen. Und für das Ganze eine Zeit von 6.29 Std.

Horst hat die Strecke in beachtlichen 6.04 Std. geschafft. Gratulation!!

Nächstes Jahr möchten wir 3 den 3er Mountain Marathon angehen. Nämlich Liechtenstein, Zermatt und den Jungfrau-Marathon. Sollte jemand daran Interesse haben, würden wir gerne bei unseren Trainingseinheiten unsere Gruppe vergrössern.

Denn geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freud ist doppelte Freud.

In diesem Sinne

Manfred Haubenthal