V-Card Triathlon Viernheim 2008 oder Das „selbst verschuldete Desaster“

Vier Wochen nachdem ich in Roth gefinisht hatte, hatte ich immer noch null Motivation mich auch nur minimal anzustrengen, weniger körperlich als vielmehr mental. Ich war vollkommen zufrieden damit, mal ein bisschen Rad zu fahren (flach natürlich!), am Baggersee zu faulenzen oder 5-6 km zu joggen. Lust auf einen Wettkampf hatte ich allerdings trotzdem, also meldete ich mich für Viernheim an. Es war ja noch sooo viel Zeit zum Trainieren!!

Die Zeit verging. Plötzlich waren es nur noch zwei Wochen. Jetzt sollte ich vielleicht mal so ganz langsam anfangen mit der Vorbereitung. „Nur“ 1500 m Schwimmen, 46 km Rad und 10 km Laufen – es müsste ja mit dem Teufel zugehen, wenn ich das nicht packen würde.

Und es ging tatsächlich mit dem Teufel zu. Nach 1200 m im Herzogenriedbad war ich platt. Nun ja, es war ja in letzter Zeit relativ kühl, und mit Neo ist die Strecke ja locker zu bewältigen. Und Laufen ist ja meine Lieblings-Disziplin, also muss ich nur noch ein wenig den Berg hinauf radeln. Oh je, Wilhelmsfeld: Abbruch, Ursenbacher Höhe: Mit letzte Kraft, Apfelallee: ok. Aber die Juhöhe hat immerhin 15% Steigung, schätzungsweise doppelt so viel wie die Apfelallee, also nehme ich sie am Sonntag vor dem Wettkampf in Angriff. Mit stolzen 5 km/h halte ich mich gerade noch so im Gleichgewicht, bei den anderen 3 „Hügeln“ lege ich noch mindestens 2-3 km/h darauf.

Am Samstag Abend vor dem Wettkampf treffe ich mich mit Freunden. Wir haben uns lange nicht gesehen, die Zeit vergeht wie im Flug, gegen 02:30 komme ich nach Hause. Egal. Ich packe noch mein Sachen, bringe mein Rad auf Hochglanz und liege schließlich um 03:30 im Bett.

Erbarmungslos klingelt 4 Stunden später der Wecker, zum Glück holt mich Stefan Hauschild ab, mit der OEG hätte ich früher aus den Federn müssen. Dann der „Schock“ in Viernheim: Neoprenverbot. Stefan ist glücklich, ich fluche in mich hinein. Ich weiß zwar noch nicht, wie ich durchkommen soll, aber abbrechen werde ich nicht, und Letzte werde ich auch nicht sein!

Wie immer haben wir nach dem Einchecken noch jede Menge Zeit. Mit Tee, Milchreis und der Sonntagszeitung mache ich es mir gemütlich. Bald bin ich kurz vor dem Einschlafen, hole mir am Kiosk einen Kaffee.

Und dann endlich der Startschuss. Aber zum ersten Mal fehlt mir jegliches Wettkampffieber, ich komme einfach nicht in Schwung, weiche Zweikämpfen aus und steige daher relativ ausgeruht und gemütlich als eine der Letzten aus dem Wasser.

Genauso locker gehe ich die Radstrecke an. Mein Kopf weiß zwar, dass dies ein Wettkampf ist, aber er feuert keinerlei Impulse in Richtung Adrenalinausschüttung. Also fahre ich einfach nur viermal bergauf und viermal bergab, genieße die Landschaft und habe einfach nur Spaß am Radeln. Nur die letzten paar Kilometer, da machen meine Beine plötzlich Tempo, auf einmal bin ich so richtig schnell und überhole sogar!

Doch schon auf der Laufstrecke ist der Schwung wieder weg. Eigentlich jogge ich nur durch den Wald, tausche Bemerkungen mit Ordnern und Zuschauern aus und finde alles ganz herrlich entspannt.

Dementsprechend fiel auch meine Endzeit aus: Schon die Laufzeit von 01:01:01 war exakt berechnet, aber dann in genialen 04:05:06 zu finishen, das schafft wirklich nicht jeder!!

Christiane Selter