{"id":605,"date":"2022-02-08T17:41:02","date_gmt":"2022-02-08T16:41:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.djk-feudenheim.de\/Triathlon\/test_lore\/wordpress\/?page_id=605"},"modified":"2022-04-30T11:45:23","modified_gmt":"2022-04-30T09:45:23","slug":"2010-kraichgau-gunther","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.djk-feudenheim.de\/Triathlon\/2010-kraichgau-gunther\/","title":{"rendered":"Impressionen aus dem Mittelfeld<br \/>Kraichgau-Triathlon 2010"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n<p>Sonntag, 6.6.10, 7:00 Uhr: Das Rad ist schon im Auto, Ausr\u00fcstungsliste nochmal gecheckt, Vorwettkampfverpflegung eingepackt \u2013 meine S-Distanz (1500 m Schwimmen, 42 km Radfahren, 10 km Laufen) startet erst am Nachmittag \u2013 und ab geht es Richtung Ubstadt-Weiher im Kraichgau. Nach k\u00fchlen Monaten schl\u00e4gt das Wetter genau an diesem Wochenende um, 28 Grad sind angesagt, mit Gewitterneigung, das gibt eine Hitzeschlacht.<\/p>\n\n\n\n<p>8:15 Uhr: Ich assistiere Lore, meiner besseren H\u00e4lfte, beim Einchecken (sie macht die M-Distanz). Wir treffen die Vereinskollegen Sabine, Michl und Ulli, die ebenfalls ihre Wechselzone vorbereiten. Um uns herum \u00fcber 1100 hagere, gest\u00e4hlte Gestalten mit konzentriertem Eiger-Nordwand-Blick, ich komme mir irgendwie am falschen Platz vor.<\/p>\n\n\n\n<p>8:45 Uhr: Eine kurze Sportlerandacht wird abgehalten. Der Pastor, ehemaliger Triathlet, benutzt sinnigerweise das Gleichnis des in der Hitze durch Wassermangel ausgepowert im Stra\u00dfengraben liegenden Athleten. Na denn!<\/p>\n\n\n\n<p>9:15 Uhr: Schwimmstart der Gruppe von Lore, das Feld zieht sich im Wasser sofort um den Faktor zwei auseinander; als die Spitze bereits die erste Boje, fast am anderen Seeufer, umrundet, ist hinten noch gut die Brustschwimmerfraktion zu erkennen; mir wird vor dem Schwimmen mulmig, da ich mein \u00fcbliches Schicksal vor Augen sehe.<\/p>\n\n\n\n<p>11:30 Uhr: Nach Einchecken ist (zu viel) Zeit zum Essen, Trinken, Schwitzen (die Temperatur treibt einen bereits eindringlich in den Schatten), D\u00f6sen, Pinkeln und was die nerv\u00f6sen Eingeweide sonst noch fordern. Auch die ca. 600 S-Starter wirken alle trainingsgest\u00e4hlt und siegorientiert.<\/p>\n\n\n\n<p>14:05 Uhr: 10 Minuten vor dem Start, reinzw\u00e4ngen in den Neoprenanzug und hoffen, dass die Schwimmbrille dichth\u00e4lt. Mit minus 6 Dioptrien bin ich ohne v\u00f6llig blind, Bojen erkennen ein Ding der Unm\u00f6glichkeit, und da ich stets unter den hinteren f\u00fcnf Prozent schwimme, ist auch der Pulk der Mitschwimmer nur in den ersten Minuten eine Orientierungshilfe, danach sind sie alle weg. Wie immer vor dem Schwimmstart nagen existenzielle Zweifel in mir: Was tue ich hier eigentlich?<\/p>\n\n\n\n<p>14:15 Uhr: Mit dem Startknall geht es ins Get\u00fcmmel, die erste rote Boje 600 m voraus absolut unerkennbar. Wie \u00fcblich zieht das Feld ab, nur der eine oder andere Brustschwimmer tritt mir beinahe ins Gesicht. Die Brille h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>14:30 Uhr: Nach der ersten Boje geht es zur\u00fcck, wenigstens mit der Sonne im R\u00fccken, ich kann mich optisch am Badestrand orientieren, eigentlich alles halb so wild. Ruhe und Leere um mich herum. 100 m vor dem Ausstieg schie\u00dfen einige Schwimmer an mir vorbei, was mir kurz das euphorische Gef\u00fchl vermittelt, dass offenbar noch Teilnehmer hinter mir sind, bis mir d\u00e4mmert, dass das Schwimmer der Folgestaffel sind, die mich aus 15 Minuten Abstand eingeholt haben. Das Leben ist hart.<\/p>\n\n\n\n<p>14:55 Uhr: In der Wechselzone das Neo runtergetrampelt, endlich wieder eine vern\u00fcnftige Brille auf der Nase, Helm und Startnummer angelegt und mit dem Rad \u00fcber die Matte gejoggt. Ein Sattel unterm Hintern, der Nachmittag gewinnt ein Gesicht. Nur das Wasser ist knapp, ich habe nur eine Flasche dabei und die Sonne sticht.<\/p>\n\n\n\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.djk-feudenheim.de\/Triathlon\/daten\/bilder_zu_berichten\/kraichgau-triathlon-2010-01.jpg\" vspace=\"10\" hspace=\"10\" align=\"left\"> 15:30 Uhr: Die Steigung nach \u00d6stringen hoch, au\u00dfer vorbeizischenden \u201e\u00dcberrundern\u201c ist kein Teilnehmer mehr auf der Stra\u00dfe, trotzdem \u2013 oder deswegen? \u2013 h\u00f6re ich mehrfach ein \u201eSieht gut aus!\u201c vom Publikum. Dann der l\u00e4ngere Anstieg auf den Schindelberg, endlich kommen die ersten langsameren Konkurrenten in Sicht. Ich haue rein was geht, jetzt hei\u00dft es, das Feld von hinten aufrollen. Bergauf dranbleiben, immer Druck auf die Pedale und die Lunge am Anschlag. Selbst bergab ist der eine oder andere, der meint sich ausruhen zu k\u00f6nnen, zu \u00fcberholen, auch wenn Maximaltempo 67 km\/h \u2013 in meinem UHU-Alter \u2013 nicht unbedingt zu meinen bevorzugten Wohlf\u00fchlzust\u00e4nden geh\u00f6rt. Bei km 20 ist meine Flasche leer, und die Verpflegungsstation in Eichelberg, km 27, ist eine geplante absolute Notwendigkeit. Auf dem R\u00fcckweg nach Sch\u00f6nborn schw\u00e4cheln einige Teilnehmer, wohl auch wegen der zunehmenden Hitze, was noch einige \u00dcberholm\u00f6glichkeiten schafft.<\/p>\n\n\n\n<p>16:20 Uhr: Absteigen und Sprint in die zweite Wechselzone. Die K\u00f6rner sind schon ziemlich verschossen (der Preis f\u00fcr erh\u00f6hten Fun-Faktor beim Radfahren), und der Kopf sagt: Alarmstufe gelb, Wassermangel. Ich ziehe den deponierten \u00be Liter Isogetr\u00e4nk in mich rein, und am Ausgang der Wechselzone bei der ersten Getr\u00e4nke- und Schwammstation, eingedenk des Gleichnisses der Sportlerandacht, nochmal f\u00fcnf Becher, bis der Magen schmerzt. Schnellgehen soll es ja auch. Ein paar Schw\u00e4mme \u00fcber Kopf und Oberk\u00f6rper ausgedr\u00fcckt, und ab in die Hitzeschlacht. Die Sonne scheint, Temperatur gef\u00fchlte 30 Grad, es beginnt schw\u00fcl zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>16:25 Uhr: Die Strecke ist ein doppelter Rundkurs am Rande des Kurst\u00e4dtchens Bad Sch\u00f6nborn, teilweise geht es durch die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone und durch Parkanlagen (H\u00e4user- und Baumschatten verf\u00fchren zum Schlangenlinienlaufen), teilweise \u00fcber vollsonnnige Stra\u00dfen. Die Zuschauerstimmung ist gut, Anwohner stehen mit Gartensch\u00e4uchen bereit, die gl\u00fchenden L\u00e4ufer abzuspritzen, an Schwammstationen ist kein Mangel.<\/p>\n\n\n\n<p>16:40 Uhr: Km 4, nach einem weiteren ausf\u00fchrlichen Getr\u00e4nkestopp, h\u00f6ren die Muskeln langsam auf zu knirschen; da meldet sich der rechte Oberschenkel, hoffentlich gibt das keinen Krampf: Noch mehr \u201eAu\u00dfenk\u00fchlung\u201c durch Schw\u00e4mme, noch mehr trinken! Die Betreuung auf der Strecke ist perfekt. Eine farblich brasilianisch angehauchte Trommlergruppe leistet unsch\u00e4tzbare Dienste f\u00fcr die Motivation, trommelt sich direkt in die Schaltzentrale f\u00fcr die Endorphinproduktion: Laufen ist Leben!<\/p>\n\n\n\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.djk-feudenheim.de\/Triathlon\/daten\/bilder_zu_berichten\/kraichgau-triathlon-2010-02.jpg\" vspace=\"10\" hspace=\"10\" align=\"right\"> 17:00 Uhr: Schon in der zweiten Runde, das Pferd riecht den Stall. Noch nie auf einem Lauf bin ich solange gestanden (beim Trinken), und noch nie hat sich mein Magen so beschwert, aber die Taktik geht auf: Wie die Zeitauswertung nachtr\u00e4glich zeigen wird, l\u00e4uft die zweite H\u00e4lfte deutlich schneller als die erste, und mit 5:20 min\/km trotz der vielen \u201eStandzeiten\u201c werde ich sehr zufrieden sein.<\/p>\n\n\n\n<p>17:21 Uhr: F\u00fcr den letzten km ist noch ein kleiner Sprint drin, im Zieleinlauf sind 100 m roter Teppich ausgelegt, Winner-Feeling auch f\u00fcr Mittelfeldler. Kurz ausschnaufen, dann ins Schlaraffenland des Zielbereiches mit Getr\u00e4nken aller Art, Wassermelonen, Bananen, Kuchen, was das Herz begehrt. Bei der inzwischen br\u00fctenden Hitze \u2013 die Gewitterwolken n\u00e4hern sich bereits \u2013 sind die Highlights einige aufgeblasene f\u00fcnf Meter gro\u00dfe Planschbecken, in die man sich reinlegen kann, um den K\u00f6rper ausgl\u00fchen zu lassen. Poolservice f\u00fcr Obstschnitten inbegriffen! Dass das Wasser, hochangereichert mit Athletenschwei\u00df, der Trinkwasserverordnung sicherlich nur noch bedingt entspricht, tut der Attraktivit\u00e4t erkennbar keinen Abbruch.<\/p>\n\n\n\n<p>18:10 Uhr: In der zweiten Wechselzone, zum Abholen der R\u00e4der und Kleiderbeutel, treffe ich Lore und auch Ulli, beide habe die M-Distanz hinter sich und sind mit ihrer sechs-Stunden-plus-Leistung mehr oder weniger l\u00e4diert und geschafft; mit meinen nur gut drei Stunden \u201eArbeitszeit\u201c kann ich da kaum mitreden. Dennoch habe ich, wie die Ergebnisliste sp\u00e4ter zeigen wird, in der Altersklasse, trotz der Schwimmdisziplin im \u00fcblichen Kellerniveau, gerade noch den letzten Platz vor der Mitte geschafft (12 von 25), d. h. gepflegtes Mittelfeld erreicht.<\/p>\n\n\n\n<p>18:30 Uhr: Die R\u00e4der sind eingeladen, die Wunden geleckt, wir gondeln geruhsam nach Hause; schwere Regentropfen beginnen auf die Windschutzscheibe zu trommeln. Es war ein sch\u00f6ner Tag!<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther Mair<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonntag, 6.6.10, 7:00 Uhr: Das Rad ist schon im Auto, Ausr\u00fcstungsliste nochmal gecheckt, Vorwettkampfverpflegung eingepackt \u2013 meine S-Distanz (1500 m Schwimmen, 42 km Radfahren, 10 km Laufen) startet erst am Nachmittag \u2013 und ab geht es Richtung Ubstadt-Weiher im Kraichgau. 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