{"id":615,"date":"2022-02-08T17:58:31","date_gmt":"2022-02-08T16:58:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.djk-feudenheim.de\/Triathlon\/test_lore\/wordpress\/?page_id=615"},"modified":"2022-02-19T12:25:19","modified_gmt":"2022-02-19T11:25:19","slug":"2008-hexathlon-gunther","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.djk-feudenheim.de\/Triathlon\/2008-hexathlon-gunther\/","title":{"rendered":"Hexathlon R\u00f6merman in Ladenburg<br \/>Dazu muss man sagen\u2026"},"content":{"rendered":"\n<p>Am 19.7.08 fand in Ladenburg der bekannte R\u00f6merman-Triathlon statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu muss man sagen, dass manchmal der Wechsel als \u201evierte Disziplin\u201c bezeichnet wird, das w\u00e4re dann ein Tetrathlon. Man kann das aber ausweiten\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Samstag sp\u00e4ter Vormittag, Startunterlagen abholen, einchecken, das Rad noch mal auf 8,5 bar kontrollieren, eine Banane essen, Wettkampfbesprechung, dann geht es gemeinsam zum Bootsanleger, wo Neopren angelegt wird und die letzten Utensilien abgegeben werden. Ab jetzt bin ich halb blind.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu muss man sagen, dass ich stark kurzsichtig bin und keine Kontaktlinsen trage.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Schiff w\u00e4hrend der Fahrt zum Start z\u00e4hle ich die Bojen, die in kr\u00e4ftigem Rot und Gr\u00fcn die Schifffahrtsrinne ausweisen, mit, es sind wie immer drei, damit ich beim Schwimmen einen Anhaltspunkt habe, denn Feinheiten wie Uferbeschaffenheit oder gar das Ziel sehe ich auf die Ferne nicht. Manchmal beschl\u00e4gt auch die Schwimmbrille, dann bietet sich schon der Albtraum an, bis zur Eisenbahnbr\u00fccke zu schwimmen, bevor vielleicht ein Kontrollboot einen rausfischt. Sprung ins Wasser, ein wenig gegen den Strom schwimmen, Zehn, Neun, \u2026, Schuss, es geht los. Heute zieht es sich aber m\u00e4chtig, die erste Boje l\u00e4sst ganz sch\u00f6n auf sich warten. Dann kommt die zweite, naja, das geht auch noch vorbei. Immerhin habe ich erfreulich unbeschlagene Sicht, f\u00fcr meine Verh\u00e4ltnisse gar nicht schlecht. Uuups, was ist denn das, rechts vorne so viele Menschen?! Da ist ja schon das Ziel in Sicht! Na, da habe ich wohl die erste Boje \u00fcbersehen. Ich gebe noch ein bisschen Gas, bekomme glatt einen Krampf, noch etwas Brustschwimmen, und stolpere mit einer Top-Zeit an Land: Noch 7 m\u00e4nnliche Teilnehmer hinter mir, wie die sp\u00e4tere Recherche ergibt. Ab in die Wechselzone, Neo runtergetrampelt, rein in die Schuhe, zum Balken gejoggt und aufs Rad. Ei was ist denn das? Hinten platt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu muss man sagen, sp\u00e4tere kriminalistische Recherchen ergaben, dass der Autor dieser Zeilen bei einem fr\u00fcheren Speichenwechsel das Felgenschutzband besch\u00e4digt und nicht sorgf\u00e4ltig abgeklebt hatte. Der Schlauch mit 8,5 bar schaffte sich w\u00e4hrend meines gem\u00fctlichen Schwimmabenteuers durch das entstehende L\u00f6chlein und platzte.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlauchwechsel noch im Schwimmbadbereich, jede Menge Zuschauer (das spornt an), mit der rechten Hand locker in Kette und Umheber gegriffen (auch sp\u00e4teres Abwischen am Trikot half nicht wirklich, den schwarzen Schlaaz irgendwie abzukriegen), die Mantelheber wie \u00fcblich viel zu weich und rutschen dauernd raus (Sch\u2026), mit dem Minip\u00fcmplein irgendwie 3-4 bar reingedr\u00fcckt: 7 Minuten! Meine Rekordzeit! Es folgt der klare Gedanke, wenn jetzt noch mal was passiert, dann hei\u00dft es heimlaufen. Der Fachmann ahnt es, das war die f\u00fcnfte Disziplin. Jetzt geht es endlich los, tats\u00e4chlich ist noch der eine oder andere mit mir unterwegs; noch im flachen Teil der Strecke (kr\u00e4ftiger R\u00fcckenwind, man kann die 40 sehen) fliegt mir irgendwas ins rechte Auge. Beim Abwischen der Tr\u00e4nen stelle ich fest, dass diese offenbar Reinigungsfunktion besitzen, denn meine Fingerkuppen wechseln die Farbe von schwarz nach rosa. Interessant. In Dossenheim die Rampe hoch, dann die lange Steigung auf den Wei\u00dfen Stein, ich rolle das Feld von hinten auf (Kunstst\u00fcck, bei der Startposition\u2026), aber es macht Spass. Nur das Auge, das macht nicht mit, am besten ich kneife es zu. Oben angekommen \u2013 bei der Wettkampfbesprechung war informiert worden, dass der Waldweg am Vortag noch mal gekehrt worden sei \u2013 heize ich ein\u00e4ugig voll durch, Dreck und \u00c4ste h\u00e4tte ich nicht mehr gesehen, und kann sogar zwei Radler \u00fcberholen. Bergab nehme ich mir vor, langsam zu fahren, denn das Auge tut nun eindeutig weh und will zu gehalten werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu muss man sagen, dass ich ziemlich schissrig bin beim Runterfahren, vielleicht altersbedingt, im Training sind 50 km\/h so ungef\u00e4hr das Limit. Wer wei\u00df, was der Knochenbau macht, wenn er ohne Knautschzone durch die Gegend fliegen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Also, die Abfahrt Richtung Schriesheim ist wie immer super, die eine Spitzkehre kennt man ja \u2013 manche Sportskollegen schleichen ja geradezu! Da komme ich doch auf der n\u00e4chsten Gerade vorbei, mit ein bisschen Gas und ganz klein gemacht\u2026 Der Fahrradcomputer wusste es nachher: Spitze 65 km\/h \u2013 mit einem Auge: Bestimmt rekordverd\u00e4chtig! Nochmal rauf nach Ursenbach, irgendwie rumpelt die Schaltung auch die ganze Zeit, da ist wohl das Hinterrad nicht ordentlich montiert, Schlamperei. Da ich immer noch hinten im Feld bin, gibt es auch hier noch jede Menge Kollegen zu \u00fcberholen, das spornt an. Letzte Abfahrt, ab ins freie Feld, der R\u00fcckenwind verkehrt sich \u2013 \u00dcberraschung, \u00dcberraschung \u2013 in scharfen Gegenwind. Noch ein, zwei Duelle, die Flasche geleert, dann endlich naht die Wechselzone. Zu Beginn der Laufstrecke wird Wasser ausgeschenkt, ich kippe mir einen Becher ins offene Auge, in der Hoffnung, den Fremdk\u00f6rper oder was da auch wehtut, rauszusp\u00fclen. Zwei Effekte: Erstens, es tut noch weher als vorher, zweitens, das Wasser l\u00e4uft mir in den Schuh.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu muss man sagen, dass ich Kunststoffeinlagen trage, und wenn diese nass sind, bekomme ich ohne Socken diretissima Blasen auf der Fu\u00dfsohle.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt mache ich am besten beide Augen zu (alle paar Meter kurz blinzeln \u2013 wo geht es lang? \u2013 und gleich wieder zu, nur die Augen nicht bewegen), noch 9 km. Der rechte Fu\u00df meldet sich, noch 8. An der n\u00e4chsten Getr\u00e4nkestelle noch mal Wasser ins Gesicht, selber Effekt wie oben, noch 7. Der Fotograf h\u00e4lt auf mich, leider, L\u00e4cheln ist nicht mehr. Noch 6. Die Blase tut weh. Stadionrunde, Fankurve, Freunde rufen meinen Namen, ich kann nicht mehr hinsehen. Sorry Jungs! Noch 4. Das h\u00e4ltst du durch! Wenn nur der Schmerz nicht w\u00e4re. Ein entgegenkommender L\u00e4ufer rennt mich fast \u00fcber den Haufen, weil ich ihm blind vor die F\u00fc\u00dfe gelaufen bin. Noch 1. Letzte Schleife, Stadionrunde, Ziel. Im Moment keine Euphorie \u2013 nur unter die Dusche, diesen Fremdk\u00f6rper raussp\u00fclen! Leider, Effekt siehe oben, offenbar hat Wasser keine schmerzstillende Wirkung auf die Hornhaut, jetzt muss Plan B in Kraft treten: Mit letzter Sicht zum Bierausschank \u2013 \u201eK\u00f6nnt Ihr einen Sani holen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu muss man sagen, dass Hornhautverletzungen sehr schmerzhaft sind, was jeder nat\u00fcrlich nicht wei\u00df bzw. nicht nachvollziehen kann, der selbige noch nicht hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Rest lief dann sehr professionell ab, Betreuung durch Sanit\u00e4ter und Arzt, Ausrufen meiner Frau (als Fahrdienst) aus der feiernden Truppe, Empfehlung eines Notdienstes im Klinikum Mannheim; dort wurde ich aufgekl\u00e4rt, dass die Geschichte zwei bis vier Tage recht unangenehm sein w\u00fcrde (\u201eSie werden schlecht schlafen k\u00f6nnen\u201c), und ich wurde in Gnaden entlassen. Zu Hause Vollpumpen mit je der 1 \u00bd fachen Tagesdosis zweier verschiedener Schmerzmittel, es war nicht wirklich lustig, aber nach 48 h war der Spuk schon fast vorbei. Nach zwei Tagen hat mich auch die Ergebnisliste wieder interessiert, noch knapp im mittleren Drittel der Altersklasse, trotz der f\u00fcnften Disziplin\u2026; eigentlich war es doch knackig. Und warum Hexathlon? Ja, die sechste Disziplin war der Notarzt! Emotion pur, dieser Wettkampf wird mir sicher lange in Erinnerung bleiben, und allen Betreuern vor Ort nochmals ein herzliches Dankesch\u00f6n f\u00fcr die souver\u00e4ne Bew\u00e4ltigung auch solcher Sonderanspr\u00fcche!<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther Mair<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 19.7.08 fand in Ladenburg der bekannte R\u00f6merman-Triathlon statt. Dazu muss man sagen, dass manchmal der Wechsel als \u201evierte Disziplin\u201c bezeichnet wird, das w\u00e4re dann ein Tetrathlon. 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