{"id":776,"date":"2022-02-15T21:00:34","date_gmt":"2022-02-15T20:00:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.djk-feudenheim.de\/Triathlon\/test_lore\/wordpress\/?page_id=776"},"modified":"2022-04-30T11:56:10","modified_gmt":"2022-04-30T09:56:10","slug":"trans-via-mala-2007","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.djk-feudenheim.de\/Triathlon\/trans-via-mala-2007\/","title":{"rendered":"Trans Via Mala &#8211; Lauf im Oktober 2007"},"content":{"rendered":"\n<p>Unter dem Einfluss eines kr\u00e4ftigen Hochs \u00fcber Frankreich gelangt polare Kaltluft nach Mitteleuropa. Schneefallgrenze in den Mittelgebirgen und am Alpennordrand von 1000 auf 700 Meter fallend.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Transviamalalauf startet in Thusis, in Graub\u00fcnden am Hinterrhein, auf 700 Meter H\u00f6he, um in Donat, auf 1000 Meter, zu enden.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Hinfahrt am Vortag lag auf der Schw\u00e4bischen Alb kr\u00e4ftiger Rauhreif, und ab Bregenz waren die Berge auf beiden Seiten des Rheintals zart bepudert. In aller K\u00fcrze: Es ist saukalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Via Mala hei\u00dft \u00fcbersetzt &#8222;schlechter Weg&#8220;, der Name stammt aus dem 13. Jht., als der Weg durch die tiefe Klamm des Hinterrheins, der Teil einer wichtigen, seit der R\u00f6merzeit benutzten Route aus Graub\u00fcnden \u00fcber die Alpen &#8211; via Spl\u00fcgenpass ins Tessin &#8211; war, nach und nach verfiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz vor dem Start um 10:15 in Thusis, die eine oder andere verirrte Schneeflocke zeigt an, dass es (knapp) unter Null Grad hat, um uns herum gestandene Schweizer, einige in halbkurzen Hosen oder im T-Shirt &#8211; die ticken hier halt anders, offenbar. Eine K\u00f6lner und eine Stra\u00dfburger Gruppe werden, offenbar da exotisch, sogar vom Sprecher erw\u00e4hnt. Knall &#8211; es geht los: Lores Kommentar in den ersten 10 Sekunden: &#8220; Die spinnen&#8220; &#8211; sie meint das Tempo; das Feld zieht ab wie von der Tarantel gestochen. Die Route f\u00fchrt sofort in die Schlucht, dann geht es erstmal \u00fcber 2 km auf der alten Stra\u00dfe gleichm\u00e4\u00dfig hoch, so etwa mit 8%. Via Mala frei \u00fcbersetzt &#8222;der Weg der bergaufgeht&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann st\u00fcrzt sich der Weg in den Abgrund &#8211; interessant, wie tief es da noch geht, \u00fcber Stufen, Wurzeln, Stock und Stein (jetzt ist klar, was in der Ausschreibung &#8222;single trail&#8220; bedeutete), \u00fcber eine H\u00e4ngebr\u00fccke, dr\u00fcben genauso wieder rauf; jetzt kann man etwas verschnaufen, denn es bildet sich ein Stau. &#8222;\u00dcberholen verboten&#8220; warnt ein Schild, rechts geht&#8217;s abi, an den ausgesetztesten Stellen gibt&#8217;s Gel\u00e4nder. Via Mala auf neudeutsch: &#8222;Single Trail&#8220;! Man landet viel zu hoch, haselt auf einem Pfad, auf dem \u00fcblicherweise Eltern ihren Kindern sagen, dass sie vorsichtig laufen sollen, wieder abw\u00e4rts auf die (heutige) Via Mala Stra\u00dfe, dort ein Schild &#8222;300 m Asphalt&#8220;. Die Graub\u00fcndener warnen auf einem Volkslauf vor dem Asphalt &#8211; irgendwie ticken sie anders, wie schon vermutet. Man hat bereits den Ausgang des Tales vor Augen, aber was ist das? Der Weg zweigt von der Stra\u00dfe ab, single trail nat\u00fcrlich, und windet sich in steilen Kehren die linke Hangflanke hoch &#8211; ist da ein Gipfel mit eingeplant? Der voraus erkennbare Talboden liegt schon deutlich unterhalb, da f\u00e4llt mir siedendhei\u00df ein, in der Ausschreibung wurde als einer der H\u00f6hepunkte der Strecke der grandiose Ausblick in das weite offene Tal genannt &#8211; na klar, grandios ist er, wenn man von oben schaut! TransViaMala, der Lauf mit den Grandiosen Ausblicken.<\/p>\n\n\n\n<p>Verpflegung, gediegen mit hei\u00dfem, s\u00fc\u00dfen Tee und Bouillon, 8 km, genau eine Stunde ist schon rum. Schnitt so etwa 7:30.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem grandiosen Ausblick geht&#8217;s wieder runter, steil und single trail, versteht sich, der Wald lichtet sich, ein Streckenposten meint: &#8222;jetzt nur noch eben und dann noch ein kleiner Schlussanstieg&#8220; &#8211; das klingt ja verhei\u00dfungsvoll.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Eben&#8220; ist erstmal wieder hoch und wieder runter, dann kommt endlich ein Dorf, die Zivilisation! Es ist Zillis, das \u00fcbrigens eine romanische Kirche mit der besterhaltensten Holzdeckenmalerei aus jener Zeit Europas beherbergt; die Kirche selbst w\u00fcrde anderswo als Bunker durchgehen, wenn man vom Turm absieht; aber die H\u00e4user sind hier alle so, meterdicke Mauern, kleine Fenster, daf\u00fcr teilweise ausdrucksvolle Graffitimalereien aus allen Epochen seit dem Mittelalter.<\/p>\n\n\n\n<p>In Zillis wird wieder vor vor 600 m Asphalt gewarnt, denn dann geht&#8217;s doch schon wieder, welche \u00dcberraschung, steil auf einer Bergwiese hoch, hinter einem Zaun weidende K\u00fche, die wohl gar nicht wissen, wie gut es ihnen geht, dass sie hier einfach rumstehen d\u00fcrfen. Nat\u00fcrlich folgt ein grandioser Ausblick, nat\u00fcrlich geht&#8217;s wieder steil runter, wenn das &#8222;eben&#8220; ist, was ist dann ein &#8222;Schlussanstieg&#8220;?<\/p>\n\n\n\n<p>TransViaMala, der Lauf wo&#8217;s &#8222;eben&#8220; rauf und runter geht. Rechts auf der anderen Talseite sieht man auf gleicher H\u00f6he Donat, das Ziel, aber leider folgt noch eine lange Schleife in den Talboden. Jetzt geht es tats\u00e4chlich gleichm\u00e4\u00dfig flach bergab (Warnung: &#8222;3,5 km Asphalt&#8220; und mehrere kleine Gegenanstiege nat\u00fcrlich mit inbegriffen), bis nach Andeer, ein Dorf, das am Ende des offenen Talgrundes liegt. Man l\u00e4uft durch die gepflasterte Dorfstra\u00dfe, trutzige B\u00fcrgerh\u00e4user zu beiden Seiten, an B\u00e4cker, Gasthaus zum Adler und Thermalbad vorbei (ein Jahresgutschein f\u00fcr letzteres, das beim Care Paket mit dabei war, nutzt einem im Moment leider gar nichts), dann kommt km 16 (18,5 km ist die Gesamtl\u00e4nge), und so langsam m\u00fcsste der Schlussanstieg kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Weg, ein ganz normaler Wanderweg (gibt&#8217;s hier auch!) f\u00fchrt gleichm\u00e4\u00dfig leicht bergauf, na das sieht ja gut aus. Im lichten Wald h\u00f6rt man voraus Kuhglocken (die zum Anfeuern) &#8211; vielleicht ist das schon das Ziel?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wald \u00f6ffnet sich, was ist denn das?! Eine steile Bergwiese, darauf in mehreren Kehren die L\u00e4uferkolonnen zu sehen, man muss schon fast den Hals verdrehen, um hochzuschauen. Na ja, eigentlich logisch, wenn das bisher &#8222;eben&#8220; war, dann kann ein &#8222;Schlussanstieg&#8220; ja nicht anders aussehen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ho, ho, heia, heia!&#8220; &#8211; so lauten die hiesigen Anfeuerrufe (Ich kann mich des Verdachts nicht erwehren, dass so auch die Rindviecher beim Almauftrieb angefeuert werden). Ein bisschen kommt sogar die Sonne raus, das Tal im leuchtenden Herbstgold der Bl\u00e4tter, gegen\u00fcber zart eingepuderte Berge, die Kuhglocken an jeder Kehre ziehen einen f\u00f6rmlich hoch (nur das Lungenvolumen, das ist mal wieder irgendwie unterdimensioniert) &#8211; TransViaMala, der Andere Almauftrieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Km 18, 1:59:30, die steilen Kehren sind bew\u00e4ltigt, du hast sicher schon vorhergesehen, dass man oberhalb des Zieles rauskommt, und so war es auch. Noch 500 m leicht bergab, mit einem Gegenanstieg, versteht sich, dann hinein ins Dorf Donat, vorbei an einer Herde Lamas (die sind normalerweise in unwirtlichen Regionen auf mehreren Tausend Metern H\u00f6he knapp unter der Grenze des ewigen Schnees beheimatet), die Musik dr\u00f6hnt schon ganz nah, um die Ecke in den Zielkanal: Da lauert noch das letzte Hindernis, eine aufgebaute Br\u00fccke mit Stufen rauf und wieder runter (nachtr\u00e4glich stellt sich raus: Damit die Zuschauer ebenerdig kreuzen k\u00f6nnen &#8211; die Veranstalter haben eindeutig die Priorit\u00e4ten auf Cross Country gelegt!), dann gibt der Helfer ein Zeichen zum Bremsen (f\u00fcr den, der mental nicht mehr in der Lage ist, mitzukriegen, dass er angekommen ist) und das war&#8217;s schon: 2:03.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Verpflegungszelt gibt&#8217;s Nahrhaftes abzufassen , dann setzen wir uns, dick eingepackt, noch ein bisschen an die Biertische (im Freien aufgebaut), dankbar und bedenkenlos unter einen &#8211; \u00f6kologisch bedenklichen &#8211; Gasstrahler, erholen uns etwas, unter der wintrigen Sonne bei um null Grad, und bestaunen das allgemeine Publikum, das hemds\u00e4rmelig und ohne M\u00fctze und Handschuhe fr\u00f6hlich die Stimmung genie\u00dft. Graub\u00fcnden ist anders, und auch der TransViaMala!<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther und Lore<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Einfluss eines kr\u00e4ftigen Hochs \u00fcber Frankreich gelangt polare Kaltluft nach Mitteleuropa. Schneefallgrenze in den Mittelgebirgen und am Alpennordrand von 1000 auf 700 Meter fallend. Der Transviamalalauf startet in Thusis, in Graub\u00fcnden am Hinterrhein, auf 700 Meter H\u00f6he, um in Donat, auf 1000 Meter, zu enden. 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