{"id":825,"date":"2022-02-19T11:26:00","date_gmt":"2022-02-19T10:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.djk-feudenheim.de\/Triathlon\/test_lore\/wordpress\/?page_id=825"},"modified":"2022-04-30T12:02:50","modified_gmt":"2022-04-30T10:02:50","slug":"2006-pfalz-christiane","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.djk-feudenheim.de\/Triathlon\/2006-pfalz-christiane\/","title":{"rendered":"900 H\u00f6henmeter und 05:02:34 Stunden Spa\u00df<br  \/>beim Pf\u00e4lzer Wald Marathon 2006"},"content":{"rendered":"\n<p>Eigentlich hatte ich mich schon im April in diesen Lauf verliebt. Ein Marathon auf nicht asphaltierten Wegen, dieser Gedanke lie\u00df mich nicht mehr los. Allerdings plante ich ihn als kr\u00f6nenden Abschluss der Triathlonsaison. Nachdem jedoch Anfang Mai auf Grund meines gebrochenen Armes klar war, dass diese ohne mich stattfinden w\u00fcrde, war er zun\u00e4chst einmal zur Ersatzbefriedigung degradiert. Auch musste ich erst noch ein wochenlanges mentales Tief \u00fcberwinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kam Ende Juni ganz pl\u00f6tzlich die Freude am Laufen zur\u00fcck. Zudem konnte ich mich vorsichtig wieder im Baggersee bewegen, und das Radfahren blendete ich nun einfach aus. Es ging psychisch wieder bergauf, bald auch schon physisch einmal w\u00f6chentlich im Odenwald. Dazu noch Siggis Training und der Waldpark, alles im gr\u00fcnen Bereich.<\/p>\n\n\n\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.djk-feudenheim.de\/Triathlon\/daten\/bilder_zu_berichten\/pfaelzer-wald-marathon-2006-02.jpg\" vspace=\"10\" hspace=\"10\" align=\"left\"> Am 09.09. fuhr ich dann in aller Ruhe mit der S-Bahn nach Pirmasens. Unterkunft fand ich in einem kleinen, gem\u00fctlichen Hotel oben am Berg, zu sp\u00e4t entdeckte ich, dass Pasta-Party, Start und Ziel auf der anderen Seite des Tales lagen. Viele Treppen sp\u00e4ter hatte ich meine Startunterlagen unterm Arm. Auf einer sonnigen Bank schaute ich sie durch. Etwas ratlos betrachtete ich den Chip &#8211; er musste durch den Schuhb\u00e4ndel gezogen werden, sofern man einen hat. Nun, ich hatte keinen, sondern Gummiz\u00fcge wegen des schnellen Wechselns beim Triathlon. Aber es war ja Samstag kurz vor 17:00, die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone gerade mal um die Ecke, also zog ich los, Schuhb\u00e4ndel zu kaufen. Woher sollte ich auch wissen, dass hier alle L\u00e4den um 16:00 schlie\u00dfen?! Also mit viel Geduld die festgezurrten Gummis aufgepfriemelt und den Chip eingebaut.<\/p>\n\n\n\n<p>Sonntag, 10.09., 10:01. Vor einer Minute fiel der Startschuss. \u00dcber 900 Teilnehmer hat das Feld. Die Staffell\u00e4ufer sind schnell \u00fcber alle Berge, nach einigen Kilometern biegen auch die L\u00e4ufer des Halbmarathons ab, ca 260 Marathonis verlieren sich im Pf\u00e4lzer Wald. Bewusst habe ich weder Stopp- noch Pulsuhr dabei, laufe rein nach Gef\u00fchl. Ich bin alleine, entdecke pl\u00f6tzlich eine Muschel als Wegmarkierung &#8211; es ist der Jakobspilgerpfad. Ich stelle mir vor, ich verpasse einen Abzweig und lande in Santiago di Compostela, muss lachen bei diesem Gedanken, doch die Strecke ist leider zu gut markiert als dass dies geschehen k\u00f6nnte. Noch bin ich ganz locker, atme tief die herrliche Waldluft ein, freue mich an der Natur.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Kilometer 19 \u00fcberqueren wir die B 39. Auf der Schnellstra\u00dfe w\u00e4ren es nur noch 5 km bis zum Ziel, dummerweise stehen \u00fcberall Polizisten und achten darauf, dass niemand abk\u00fcrzt. Oder habe ich da etwas missverstanden?<\/p>\n\n\n\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.djk-feudenheim.de\/Triathlon\/daten\/bilder_zu_berichten\/pfaelzer-wald-marathon-2006-01.jpg\" vspace=\"10\" hspace=\"10\" align=\"right\"> Dann wird es ernst. Die zweite H\u00e4lfte der Strecke ist wesentlich anspruchsvoller, steil geht es bergauf, im wahrsten Sinne des Wortes \u00fcber Stock und Stein. Zwei kurze Passagen muss ich sogar gehen, ich w\u00e4re sonst mehr oder weniger auf der Stelle getrippelt. Es folgt ein langer Abstieg, ich bremse mich, damit ich nicht \u00fcberziehe. Jetzt bin ich in einem romantischen kleinen Tal angelangt. Ein leise murmelnder Bach, Libellen, Schmetterlinge, die letzten leuchtenden Blumen, es duftet nach Sp\u00e4tsommer &#8211; eigentlich h\u00e4tte ich nach 30 km wirklich eine Siesta verdient! Aber nachdem ich schon einige L\u00e4ufer in Sichtweite habe, ignoriere ich diese innere Stimme der Vernunft. Doch die Beine sind inzwischen sehr schwer geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine unendlich lange Steigung liegt vor mir, eine Rampe nach der anderen gilt es zu \u00fcberwinden. 34, 35, 36 km, kein Ende in Sicht. Und dann das Unglaubliche: Ich \u00fcberhole in gleichm\u00e4\u00dfigem Tempo einen nach dem anderen. Sie bewundern meine Leistung, feuern mich an. Dabei gibt es da eigentlich gar nicht mehr viel zu bewundern &#8211; ich habe einfach nur solche Schmerzen, dass ich nicht in der Lage bin, meinen Rhythmus zu wechseln. Gleichzeitig k\u00f6nnte ich jedoch B\u00e4ume ausrei\u00dfen, aber ich laufe ja schlie\u00dflich in einem Naturpark.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach 40 Kilometern ist die Stadtgrenze erreicht, geht es endlich wieder bergab. Schon h\u00f6rt man den Sprecher, die Musik, den Beifall. Doch auf den letzten 800 Metern steigt die Stra\u00dfe nochmals unmerklich an, es ist das reinste Fegefeuer. Und dann zum Abschluss die H\u00f6lle: Die Strecke f\u00fchrt direkt am Zielkanal vorbei noch eine Runde um den Messplatz herum. Ich kann es fast nicht glauben, als tats\u00e4chlich endlich die Matte piepst!<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht h\u00e4tte ich mit der Uhr noch zwei oder drei Minuten herausholen k\u00f6nnen. Aber dieses wunderbare Gef\u00fchl der Freiheit h\u00e4tte ich dann niemals gehabt. Es war mein bis jetzt h\u00e4rtester und gleichzeitig sch\u00f6nster Lauf. Und ich bin \u00fcbergl\u00fccklich \u00fcber meine Zielankunft, denn nicht jeder hatte gefinisht.<\/p>\n\n\n\n<p>Christiane Selter<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich hatte ich mich schon im April in diesen Lauf verliebt. Ein Marathon auf nicht asphaltierten Wegen, dieser Gedanke lie\u00df mich nicht mehr los. Allerdings plante ich ihn als kr\u00f6nenden Abschluss der Triathlonsaison. 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